Selfpublishing unverbluemt Kolumne Folge 3

C.R. Scott ist erfolgreiche Autorin und Mitglied im Selfpublisher-Verband. In ihrer Kolumne „Selfpublishing unverblümt“ schreibt sie über Fettnäpfchen und andere Erfahrungen, die sie lieber nicht gemacht hätte.

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Folge 3: Wenn Dienstleister mich enttäuschen

Als Selfpublisher:in ist man oftmals gar nicht so „Self“, wie es die Bezeichnung zunächst vermuten lässt.

Klar, man veröffentlicht und finanziert sein Buch selbst, ohne dass ein Verlag dahintersteht. In der Regel legt auch niemand anderes fest, wann das nächste Buch erscheint, welchen Umfang es hat, wie der Titel lautet, wie das Cover aussieht und zu welchem Preis es angeboten wird. Man kümmert sich darum, dass alles für die Veröffentlichung und Vermarktung erledigt wird, und trägt für die eigenen Entscheidungen die rechtliche Verantwortung sowie das finanzielle Risiko.

Doch am Ende arbeitet man auch als verlagsunabhängige:r Autor:in mit vielen anderen Menschen und Unternehmen der Veröffentlichungsbranche zusammen. Zumindest wenn man das Ganze professionell aufziehen möchte und nicht zu viel von seiner eigentlichen Schreibzeit verlieren will. Und so kommt man auch als Selfpublisher:in früher oder später an den Punkt, an dem man eine Dienstleistung beauftragt – sei es für das Lektorat, das Korrektorat, das Coverdesign, den Buchsatz, die E-Book-Formatierung, den Vertrieb oder etwas anderes, das man für die erfolgreiche Veröffentlichung und Vermarktung benötigt und vertrauensvoll an erfahrene Hände abgibt.

Das mit dem Vertrauen ist allerdings so eine Sache. Denn wie ich im Laufe der Zeit feststellen durfte, kann bei einer Zusammenarbeit mit Dienstleistern so einiges schiefgehen.

Abgabetermine haben einen Grund

Ich will gar nicht behaupten, dass alle Selfpublisher:innen so sind, aber ich für meinen Teil bin, ehrlich gesagt, ein Kontrollfreak. Die Freiheiten, die ich als Vollzeit-Selfpublisherin habe, sind mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen. Am liebsten möchte ich alles rund um die nächste Veröffentlichung detailliert und weit im Voraus durchgeplant haben … und über sämtliche Entscheidungen das letzte Wort behalten. Nachdem ich für meine Werke allein hafte und die Kosten stemme, ist das wahrscheinlich sogar legitim. Jedenfalls kann ich nicht sonderlich gut damit umgehen, wenn sich ein Dienstleister dann nicht an das hält, was er mit mir besprochen hat. Schließlich geht es nicht nur um meine persönlichen Vorlieben, sondern auch um die Markttauglichkeit meiner Werke, mein Image als Autorin, die Einhaltung von Veröffentlichungsterminen, die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben und schlichter und greifend um meine Existenz. Auch davon abgesehen: Ich bezahle den Dienstleister dafür, dass er seine Arbeit fristgerecht an mich abliefert.

Die Nerven liegen blank

Wenn ich also ein Cover oder ein Korrektorat nicht zu dem Termin bekomme, den der Dienstleister sogar von sich aus vorgeschlagen hat, dann kostet mich das schon einige Nerven. Spätestens wenn ich diesen Dienstleister nicht einmal mehr telefonisch erreiche, werde ich unruhig. Immerhin spreche ich mittlerweile mit mehreren Leuten, die an einem Werk mitwirken, Termine ab. Sobald einer von ihnen in Verzug gerät, betrifft das auch alle weiteren Stationen des Veröffentlichungsprozesses, und es liegt an mir, umzuorganisieren und die Änderungen an alle Beteiligten neu zu kommunizieren. Das frisst Nerven und Zeit. Und wenn sich dann der scheinbar verschollene Dienstleister zwei Wochen später schließlich mal meldet mit: „Sorry, ich bin spontan in den Urlaub gefahren und dachte, dass der besprochene Abgabetermin fürs neue Coverdesign mehr so eine grobe Richtlinie wäre“, dann macht mich das schon ziemlich ratlos. Ob ich mit so jemandem noch mal zusammenarbeiten will, überlege ich mir dann natürlich genau. Sehr genau. Immerhin hat diese Person (oder diese Firma) mich gefühlt mal eben um zehn Jahre altern lassen.

Einer Coverdesignerin, die ihren eigens vorgeschlagenen Abgabetermin nicht eingehalten hat, habe ich eine zweite Chance für ein weiteres Buchcover gegeben. Was dabei herauskam? Auch den neuen Abgabetermin hat sie vergessen, mein Nachfragen ignoriert und sich erst Wochen später ganz entspannt mit dem ersten Designentwurf gemeldet. Von einer anderen Selfpublisherin habe ich erfahren, dass diese Designerin ihre Kunden nicht als Könige, sondern als lästige Bettler versteht. Obwohl wir sie bezahlen, und zwar anständig. So schade ich das auch finde, aber einen dritten Auftrag hat sie von mir nicht mehr bekommen.

Wenn es um Geld geht, wird es haarig

Bitte nicht falsch verstehen. Fehler und Irrtümer sind menschlich. Ich reiße einer:m frisch gebackenen Freiberufler:in nicht den Kopf ab, wenn sie:er mir zum ersten Mal eine Rechnung schickt und ich merke, dass die Rechnungsnummer fehlt. Außerdem ist es für mich kein Problem, wenn mir ein:e Coverdesigner:in vorher Bescheid gibt, wenn es eine Weile dauert, bis sie:er zu meinem Auftrag kommt. Und selbstverständlich kann auch immer mal etwas kurzfristig dazwischenkommen, sei es eine Grippe oder weggebrochenes Internet. Auch ich bin mal spät dran oder springe mit Anlauf in ein berufliches Fettnäpfchen und bin froh, wenn man mir das verzeiht. Was ich mir aber von Dienstleistern wünsche, ist Professionalität, Transparenz, Fairness und gesunden Menschenverstand.

Leider ist das aber nicht immer der Fall, und dann brauche ich ein starkes Nervenkostüm. Das habe ich vor allem lernen dürfen, als ich den Vertrieb einiger meiner Bücher einem Distributor anvertraut habe. Bis heute habe ich keinen einzigen Cent meiner Verkaufstantieme von diesem Distributor ausgezahlt bekommen. Meine Anrufe und Mails diesbezüglich ignoriert er eisern, obwohl er auf Nachrichten zu anderen Themen antworten kann, und so bleibt mir nun nichts anderes mehr übrig, als rechtliche Schritte einzuleiten. Das belastet die Psyche, und so etwas kann ich nicht gebrauchen. Mal ganz abgesehen davon, dass mir natürlich eine Menge Geld flöten gegangen ist und ich jetzt auch noch einen Anwalt bezahlen darf, ohne zu wissen, wie die Sache ausgehen wird. Das ist gemein.

Der Teufel steckt im Kleingedruckten

Leider fällt mir noch ein weiteres Beispiel dafür ein, dass mich mal ein Dienstleister enttäuscht hat: Eines schönen Morgens telefonierte ich mit einem Unternehmen, dessen Angebotspalette mich interessierte, nachdem ich auf der Frankfurter Buchmesse darauf aufmerksam geworden war. „Bei uns werden Sie keine laufenden Kosten haben“, wurde mir im Telefonat versichert. In den darauffolgenden Tagen tauschte ich mehrere E-Mails mit der Ansprechpartnerin aus und dachte mir: Super, das passt! Doch als ich den Vertrag erhielt und drauf und dran war, ihn zu unterzeichnen, folgte die Ernüchterung: Wie im Kleingedruckten stand, warteten durchaus laufende Kosten auf mich, ganz unabhängig vom Verkaufserfolg. Diese Kosten waren zwar nicht übertrieben hoch, doch ich habe mich auf die gegenteilige Aussage, die übrigens so auch auf der Webseite des Dienstleisters steht, verlassen. Nämlich darauf, dass es gar keine laufenden Kosten, sondern eine reine Gewinnbeteiligung geben würde. Dementsprechend war ich nun verwundert. Außerdem las ich noch etwas von Verpflichtungen, die man mir auferlegen würde und von denen ich vorher nie etwas im Telefonat gehört oder in den E-Mails gelesen hatte. Mein Vertrauen war dahin und würde so schnell auch nicht wiederkommen. Schweren Herzens ließ ich die Ansprechpartnerin wissen, dass ich mich leider nicht auf eine Zusammenarbeit einlassen konnte. Ein paarmal rief sie mich noch an und schrieb mir E-Mails, um nachzufragen, ob ich mir auch wirklich sicher wäre. Ja, das war ich. So schade es war.

Fairness schließt immer beide Seiten ein

Mit den meisten anderen Dienstleistern habe ich gute Erfahrungen gemacht, nur leider gibt es eben auch hier schwarze Schafe. Zum Glück scheinen diejenigen, die gute Arbeit machen und freundlich sowie ehrlich sind, in der Überzahl zu sein. Und diese dürfen auch verlangen, anständig bezahlt zu werden. Sie sollten es sogar. Wenn mir beispielsweise ein:e Freiberufler:in weitaus weniger berechnet, als wir zuvor abgemacht haben, wirft das bei mir Fragen auf. Hat sie:er nicht alles geliefert, was er sollte? Oder hat sie:er Gesetze gebrochen? Vielleicht ist ihr:sein Selbstbewusstsein im Keller? Schade, dass mir so etwas hin und wieder passiert und ich dann nachhaken muss. Meistens bekomme ich dann zu hören, dass die:derjenige mit seinem unkommentierten Rabatt in Höhe von satten 40 Prozent seine Chancen auf Folgeaufträge bei mir erhöhen wollte. Das erreicht er aber schon mit seiner guten Arbeit. Ein Dienstleister, der am Hungertuch nagt, kann genauso wenig in meinem Sinne sein wie ein Dienstleister, der mich über den Tisch ziehen will.

Kurzum: Wer sich auf einen neuen Dienstleister einzulassen gedenkt, sollte sich über ihn informieren, bevor er einen Vertrag unterzeichnet oder einen Auftrag vergibt. Hätte ich zu dem einen oder anderen Dienstleister im Vorfeld gründlicher recherchiert, welche Erfahrungen andere mit ihm gemacht haben, hätte ich mir vielleicht so manches graues Haar erspart. Aber umso mehr halte ich nun an den Dienstleistern, die sich als fair und zuverlässig herausgestellt haben, fest und weiß die Zusammenarbeit mit ihnen zu schätzen. Ohne sie hätte ich als Selfpublisherin ein Problem.

Nächsten Monat erfahrt ihr, warum ihr euch unbedingt einen Hund anschaffen solltet. Jeden 20. des Monats gibt es einen neuen Beitrag der Kolumne im Blog des Selfpublisher-Verbandes.

CR Scott Unterschrift


C.R. Scott Kolumne Selfpublishing unverblümt ProfilbildC.R. Scott – Autorin, Grafikerin und jetzt auch Kolumnistin

C. R. Scott wurde 1984 in Schleswig-Holstein geboren und hat Literatur studiert. Egal ob prickelnd, fantastisch oder verträumt – ihre Liebesromane begeistern Tausende von Lesern. Inzwischen gibt es einige ihrer Bestseller auch als Hörbuch. Die Autorin ist Mitglied im Montségur Autorenforum und war in der Jury für den Selfpublishing-Buchpreis 2020. Wenn sie mal nicht schreibt, geht sie am liebsten durch den Wald spazieren und lässt sich für neue Geschichten inspirieren.

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1 Comment
  1. Tino Dietrich 2 Monaten ago

    Ich bin auch sehr dünnhäutig, wenn es um die Einhaltung von Absprachen zwischen den Dienstleistern und mir geht. Es tut ja keinem weh, sich kurz telefonisch zu melden, sollte mal etwas dazwischen kommen. Gerade für mich als „Berufsanfänger“ ist es schwierig, den Einstieg optimal zu planen. Da können verstrichene Fristen sogar die Existenz gefährden. Hat schließlich nicht jeder ein Geldpolster für Notfälle im Kleiderschrank versteckt. Tolle Kolumne.
    Lieben Gruß
    Tino Dietrich

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