C.R. Scott ist erfolgreiche Autorin und Mitglied im Selfpublisher-Verband. In ihrer Kolumne „Selfpublishing unverblümt“ schreibt sie über Fettnäpfchen und andere Erfahrungen, die sie lieber nicht gemacht hätte.

Folgenübersicht


Folge 19: Wenn es heißt, Selfpublisher seien unprofessionell

„Du veröffentlichst via Selfpublishing? Wollte dich kein Verlag haben, oder warum machst du das?“

Zugegeben, hin und wieder trifft dieses Vorurteil tatsächlich auf mich zu. Erst kürzlich habe ich in der 16. Folge von einem Verlag erzählt, der mich abgelehnt hat. Aber erstens wurde dabei hoffentlich ersichtlich, dass das eine Fehleinschätzung seitens des Verlags war. Und zweitens ist es nicht die Regel, dass Verlage mir eine Abfuhr erteilen. Meistens kontaktiere ich sie gar nicht erst, weil ich per Selfpublishing einfach mehr verdiene. Hin und wieder kommen Verlage sogar auf mich zu und müssen leider von mir abgelehnt werden – einfach aufgrund der Konditionen.

Dennoch höre ich auch von anderen Selfpublishern, dass sich das Klischee eisern hält: Wer ohne Verlag veröffentlicht, tut dies allein aus der misslichen Notlage heraus, keinen solchen gefunden zu haben. Und zwar deswegen, weil die Manuskripte dafür zu schlecht sind.

Dieses Vorurteil geht mit einem anderen einher: Selfpublisher:innen sind nicht nur zu eitel, um ihre schlechten Manuskripte in der Schublade versauern zu lassen, nein, die stellen sich bei der Veröffentlichung und Vermarktung genauso ungeschickt an. Kurzum: Verlagsunabhängige Autoren seien rundum unprofessionell. Auch in Sachen Cover, Klappentext & Co. bedeute ein Verlagsbuch Qualität, während ein SP-Titel vor lauter Fehlern und No-Gos nur so strotze.

Ist das so?

In der Tat kann dem Klischee ein wahrer Ursprung zugeordnet werden: Dank des Selfpublishings, wie wir es heute kennen, kann jede:r – wirklich jede:r – ein Buch veröffentlichen. Jede:r kann ein Sachbuch, einen Ratgeber, eine Kindergeschichte, ein Drama oder einen Thriller schreiben. Niemand zwingt diese Person, den Text gegenlesen zu lassen. Niemand kontrolliert, ob sie sich um Testleser, ein Lektorat und ein Korrektorat bemüht hat. Auch verhindert kein Algorithmus den Veröffentlichungsprozess, wenn die Textformatierung zu wünschen übrig lässt oder das Covermotiv aus der blassen Buntstiftzeichnung des Lieblingsenkels besteht. Deswegen gibt es sie durchaus, die experimentellen Perlen unter den verlagsunabhängigen Büchern.

Aber unter uns Selfpublishern gibt es ebenso auch Profis. Publizierende, die sehr wohl in ein professionelles Cover, Lektorat und Korrektorat investieren. Die sich sehr wohl Gedanken darüber machen, welche Texte sie in die Welt entlassen und wie sie diese verpacken. Publizierende, deren Werke man von der Optik und Textqualität her nicht von den Top-Titeln eines renommierten Publikumsverlags unterscheiden kann. Autoren, die Tausende und Zehntausende von Lesenden zufriedenzustellen, gar zu begeistern wissen. Deren Bücher teilweise sogar mit Literaturpreisen ausgezeichnet werden. Und die womöglich auch noch richtig gut darin sind, mit Unternehmen über Lizenzen zu verhandeln.

Trotzdem hält sich das Vorurteil

Es ist schade und unfair, dass so manche Lesende uns Selfpublisher:innen trotzdem immer noch mit Skepsis begegnen. Aber mir fällt beim besten Willen niemand ein, dem man daran die Schuld geben könnte. Stereotypen brauchen einfach Zeit, um aufgebrochen zu werden. Und ein erster Wandel ist in meinen Augen klar erkennbar! Ein schönes Beispiel dafür sind die SP-Taschenbücher, die über tolino media veröffentlicht wurden und nun in Thalia-Buchhandlungen ausliegen. Wie gesagt, das ist nur ein Beispiel von vielen Fällen. In zehn bis zwanzig Jahren könnte das Vorurteil gegenüber Verlagsunabhängigen gänzlich vom Tisch sein. Noch ist es nicht so weit, aber irgendwann wird es das sein, dessen bin ich mir sicher.

Deswegen sehe ich der Zukunft des Selfpublishing – für mich und für alle – überaus positiv entgegen. Gleichzeitig bleibe ich aber auch dabei, wie schon in der 9. und 16. Folge erwähnt, dass ich keineswegs mit Verlagen breche. Ich persönlich fahre ausgesprochen gut damit, eine sogenannte Hybridautorin zu sein. Denn mit beispielsweise der Produktion und Vermarktung von Hörbüchern kenne ich mich einfach nicht aus und bin froh, wenn sich Expert:innen darum kümmern. Dann geht diese Aufgabe auch nicht von meiner Schreibzeit ab.

Und so sei es mir hoffentlich verziehen, wenn ich in dieser Folge gar nicht so viele negative Erfahrungen in den Fokus rücke, sondern stattdessen mal etwas anderes:

Meine Liebeserklärung ans Selfpublishing

Das Selfpublishing ist zweifellos mit das Beste, was mir passiert ist. Zwischen uns war es vielleicht nicht Liebe auf den ersten Blick, denn als es 2011 mit KDP (Kindle Direct Publishing) losging, war es mir zunächst, das muss ich ehrlich gestehen, fremd und suspekt. Doch als wir uns dann näher beschnupperten und kennenlernten, konnte daraus eine umso intensivere, langfristige Liebe entstehen, die ich sogar als schicksalhaft bezeichnen würde. Als meine Bestimmung. Meine Berufung. Meine Leidenschaft. Es passt einfach perfekt zu mir und den Geschichten, die ich schreibe.

Ich bin C. R. Scott. Das Selfpublishing hat mein Dasein als Autorin und mein ganzes Leben grundlegend verändert. Und zwar zum Guten, zum Wunderbaren, zum Schönen. Dadurch hatte ich meinen Durchbruch. Also: Danke, Selfpublishing, dass es dich gibt! Danke auch an euch andere Selfpublisher:innen, weil es euch gibt. Danke, Verlage und Verlagsautoren, dass es euch gibt. Ihr schreibenden, lektorierenden und vermarktenden Kolleg:innen bereichert mein Leben. Und nicht zuletzt: Danke, liebe Leser:innen, für eure Begeisterung und Neugier.

Ob man mich nun für professionell oder das Gegenteil oder irgendetwas dazwischen hält – das Selfpublishing und ich, wir gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Und wenn wir schon bei gefühlsduseligen Danksagungen sind: Danke auch an den Selfpublisher-Verband e. V. für die Plattform, wie sie für diese Kolumne nicht passender sein könnte.

Aber das klingt nun alles vielleicht mehr nach Abschied, als es das soll. Nein, nein, das hier ist noch nicht die letzte Folge. Ein bisschen kommt noch. Denn über die ein oder andere negative Erfahrung kann ich dann doch noch etwas erzählen. 🙂

In der nächsten Folge berichtet C.R. Scott darüber, wie ihr Plagiat vorgeworfen wurde. Jeden 20. des Monats gibt es einen neuen Beitrag der Kolumne im Blog des Selfpublisher-Verbandes.

CR Scott Unterschrift


C.R. Scott Kolumne Selfpublishing unverblümt ProfilbildC.R. Scott – Autorin, Grafikerin und jetzt auch Kolumnistin

C. R. Scott wurde 1984 in Schleswig-Holstein geboren und hat Literatur studiert. Egal ob prickelnd, fantastisch oder verträumt – ihre Liebesromane begeistern Tausende von Lesern. Inzwischen gibt es einige ihrer Bestseller auch als Hörbuch. Die Autorin ist Mitglied im Montségur Autorenforum und war in der Jury für den Selfpublishing-Buchpreis 2020. Wenn sie mal nicht schreibt, geht sie am liebsten durch den Wald spazieren und lässt sich für neue Geschichten inspirieren.

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