C.R. Scott ist erfolgreiche Autorin und Mitglied im Selfpublisher-Verband. In ihrer Kolumne „Selfpublishing unverblümt“ schreibt sie über Fettnäpfchen und andere Erfahrungen, die sie lieber nicht gemacht hätte.

Folgenübersicht


Folge 12: Wenn meine Freund:innen mich nicht ernst nehmen

In der allerersten Episode dieser Kolumne habe ich bereits darüber gesprochen, dass meine Familie und Freund:innen in der Regel Besseres zu tun haben, als meine Bücher zu lesen oder dafür Werbung zu machen. Und dass das ganz normal und auch vollkommen in Ordnung ist.

Dennoch greife ich das Thema, wie mein Umfeld auf mein Dasein als hauptberufliche Selfpublisherin reagiert, in dieser Folge noch einmal auf. Denn egal, ob es um Verwandte, Bekannte oder den Nachbarn geht – oftmals bin ich für diese Menschen auch nach Jahren immer noch das exotische Einhorn, von dem niemand so richtig zu wissen scheint, was es eigentlich den ganzen Tag so treibt.

„Davon kann man also leben?“

Mittlerweile wohnen mein Mann und ich in dem Haus, das wir uns haben bauen lassen. Mit unseren neuen Nachbarn verstehen wir uns gut und sie wissen auch, was ich beruflich mache. Theoretisch. Sie wissen, dass ich Liebesromane schreibe. Doch manchmal stellen sie mir Fragen, die mich im ersten Moment überraschen. Was viele von ihnen zum Beispiel nicht wissen, ist, dass ich davon leben kann. Wenn ich einem Nachbarn erzähle, dass ich in unserer Ehe sogar die Hauptverdienerin bin, fällt derjenige aus allen Wolken. „Aber dein Mann ist doch der leitende Angestellte“, bekomme ich dann zu hören. „Trotzdem bist du die Hauptverdienerin?“ Unglauben prägt die Gesichtszüge meines Gegenübers, wenn ich erneut bejahe. Mehrere Minuten lang.

Schon klar, ich verstehe, woher das rührt: Vom belletristischen Schreiben leben zu können, ist ein häufig geträumter Traum, der oftmals leider nicht in Erfüllung geht. Auch bei mir hat es bis zum sogenannten Durchbruch – wie ich im Laufe dieser Kolumne schon mehrmals erzählt habe – viele Jahre gedauert. Das ist mir bewusst und hilft mir, meinen Job nicht als selbstverständlich zu nehmen. Manchmal führt dies bei mir sogar zu Existenzängsten und zu der Befürchtung, diesen Beruf nicht mehr allzu lange ausüben zu dürfen. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Der Punkt ist: Durch dieses Gespräch mit dem Nachbarn wurde mir etwas klar. Plötzlich fragte ich mich nämlich: Wie viele Menschen mag es noch in meinem Umfeld geben, die automatisch davon ausgehen, dass ich mich finanziell von meinem Mann aushalten lasse, weil ich Autorin bin?

Zugegeben, zunächst hat mich diese Erkenntnis gehörig geärgert. Prompt wollte ich die ganze Welt wissen lassen, dass ich unabhängig bin und genau das geschafft habe, von dem früher viele zu mir gesagt haben, dass ich es niemals erreichen werde. Ganz nach dem Motto: „Euch habe ich es gezeigt, ha!“

Aber dann wiederum wurde mir klar, dass ich darüber erhaben sein möchte. Es ist egal, ob mein Nachbar davon ausgeht, dass mein Mann mich „mit durchfüttert“. Selbst wenn es so wäre – na und? Jeder sieht ja hoffentlich, dass mein Ehemann glücklich ist und hinter mir bzw. meiner Berufung steht. Was kümmert es mich, was andere über die Verteilung unseres gemeinschaftlichen Einkommens denken? Darauf kommt es nicht an. Mein Mann und ich haben das nie zum Thema gemacht. Weder vor einigen Jahren, als ich noch deutlich weniger verdient habe als er, noch heute, wo es umgekehrt ist. Wozu soll ich mir also den Kopf darüber zerbrechen, welches Bild andere von mir als Autorin haben, was beispielsweise das Finanzielle betrifft?

Vorurteile sind sowieso allgegenwärtig

Auch ich bin nur ein Mensch, der sich womöglich hin und wieder von Vorurteilen lenken lässt. Deswegen darf es mich nicht wurmen, wenn andere direkt ein gewisses vorgefertigtes Bild von mir als Vollzeit-Autorin im Kopf haben.
Es ist auch echt besser so, dass mich das mittlerweile kaltlässt. Denn es gibt noch viele weitere Fragen, die mir selbst von langjährigen Freund:innen immer mal wieder gestellt werden:

„Kann es überhaupt erfüllend sein, Schnulzen zu schreiben?“ – „Hast du damit eigentlich den ganzen Tag zu tun oder ist dir nicht oft auch einfach langweilig?“ – „Warum machst du das nicht in Festanstellung?“ – „Würdest du bei einem Verlag nicht mehr verdienen?“ – „Vereinsamst du nicht, wenn du so viel allein zu Hause bist?“

Mal geht es in diesen Fragen ums berufliche Schreiben an sich, mal um seichte Liebesromane (die im Übrigen extrem erfüllend für mich sind, denn damit darf ich Alltagsheldinnen nach einem harten Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubern) und mal darum, dass ich ohne Verlag veröffentliche. Und ich gebe zu, dass ich mich dadurch eine Zeit lang nicht ernst genommen gefühlt habe. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass es nicht böse gemeint ist, wenn mir solche Fragen gestellt werden. All dies sind für viele Menschen einfach immer noch weitaus abstraktere Themen, als wenn jemand erzählt, dass er bei einer Handwerkerfirma als Elektriker arbeitet oder so. Immer wieder merke ich, dass die Leute sich keinen Reim darauf machen können, wie mein Arbeitsalltag so aussieht. Ob es überhaupt eine Art Arbeitsalltag ist. Wie viel ohne klassischen Verlag im Rücken eigentlich möglich ist. Und ob etwas dabei herumkommt – finanziell, aber auch vom Spaß-Faktor her.

Einmal bewundern, bitte

Diese Abstraktheit geht für einige sogar mit Faszination einher. Denn genauso oft werde ich voller Bewunderung gefragt, woher ich nur all meine Ideen für neue Geschichten nehme. Oder wie ich das hinbekomme, dass es meine Manuskripte auch in gedruckter Form und als Hörbuch gibt. Dann schwingt richtige Ehrfurcht in den Worten mit, die an mich gerichtet werden. Das finde ich aus meiner Perspektive natürlich genauso überraschend. Aber meistens sind auch solche Fragen nett gemeint.

So viele Möglichkeiten …

Alles in allem ist man als Berufs-Selfpublisher:in anscheinend nach wie vor eine Art seltenes Einhorn und kann wie aus einem Märchen entsprungen wirken. Für nicht wenige kommt das sogar noch stärker zum Tragen, als wenn jemand erzählt, dass er/sie als Autor:in bei einem Verlag unter Vertrag steht. Inzwischen nehme ich das mit Gelassenheit, denn es erinnert mich daran, wie glücklich ich mich schätzen kann. Heute haben wir im Selfpublishing so viele Möglichkeiten, die es vor zwei Jahrzehnten noch nicht gegeben hat. Dafür bin ich dankbar, Tag für Tag. Und dafür erkläre ich hin und wieder auch gerne dem Nachbarn, was ich eigentlich so mache und dass man davon unter Umständen auch leben kann. Wer weiß? Vielleicht wird dieser Nachbar dadurch ja irgendwann der nächste Stern am Selfpublisher-Himmel. Alles ist möglich. Ist das nicht cool? Ich finde schon.

Zu guter Letzt möchte ich diese Folge nutzen, um mich für die Rückmeldungen zu bedanken, die mich erreichen. Einige Leser:innen dieser Kolumne nehmen sich die Zeit, mir zu schreiben, was sie für sie bedeutet und welchen persönlichen Bezug sie dazu haben. Für die noch kommenden Episoden ist es eine tolle Motivation, zu erfahren, dass „Selfpublishing unverblümt“ die Zielgruppe erreicht und nicht nur unterhält, sondern auch ein bisschen Wissen vermitteln oder bestätigen kann.

Dass man sich manchmal von Familie und Freund:innen im Stich gelassen fühlt, kennt wohl jede:r Autor:in. Aber was, wenn die Muse einen ebenfalls im Stich lässt? Davon erzählt uns C.R. Scott im nächsten Blogartikel. Jeden 20. des Monats gibt es einen neuen Beitrag der Kolumne im Blog des Selfpublisher-Verbandes.

CR Scott Unterschrift


C.R. Scott Kolumne Selfpublishing unverblümt ProfilbildC.R. Scott – Autorin, Grafikerin und jetzt auch Kolumnistin

C. R. Scott wurde 1984 in Schleswig-Holstein geboren und hat Literatur studiert. Egal ob prickelnd, fantastisch oder verträumt – ihre Liebesromane begeistern Tausende von Lesern. Inzwischen gibt es einige ihrer Bestseller auch als Hörbuch. Die Autorin ist Mitglied im Montségur Autorenforum und war in der Jury für den Selfpublishing-Buchpreis 2020. Wenn sie mal nicht schreibt, geht sie am liebsten durch den Wald spazieren und lässt sich für neue Geschichten inspirieren.

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