Bedeutsam, emotional und mitreißend – so beschreibt die Jury den Gewinnertitel bei der Siegerehrung des Kindle-Storyteller-Awards 2021. Mittendrin: Unser Verbandsmitglied Julia Drosten, die mit ihrem historischen Roman „Denn die Hoffnung endet nie“ – einer Schicksalsgeschichte rund um zwei Frauen im 2. Weltkrieg – gerade den begehrten Selfpublishing-Preis mit nach Hause nehmen durfte. Oder besser gesagt: unsere beiden Verbandsmitglieder. Denn hinter dem Pseudonym der bekannten Bestseller-Autorin steckt in Wirklichkeit das Autorenduo Julia und Horst Drosten. Die beiden schreiben und veröffentlichen schon seit über zehn Jahren als Paar, inzwischen hauptberuflich. Wir haben uns mit ihnen zusammengesetzt und über ihr Leben, ihr Schreiben und das Selfpublishing geredet.

Zuerst einmal ganz allgemein: Wie seid ihr eigentlich aufs Schreiben gekommen?

Horst: Tatsächlich hatte ich schon immer den Wunsch zu schreiben, aber das habe ich erst später im Leben verfolgt. Früher habe ich als Deutschlandvertreter für die Schweizer Firma Ott Freezer gearbeitet, einen Hersteller von Eismaschinen für den Konditorei-Bereich. Dann wurde ich jedoch schwer krank und musste die Arbeit einstellen. Als ich Julia kennengelernt habe, begannen wir gemeinsam zu schreiben. Das hat uns beiden so viel Spaß gemacht, dass wir dabei geblieben sind. Julia kannte einen Lektor von einem großen Publikumsverlag und ich habe Kontakt zu ihm aufgenommen. Wir haben ihm dann ein Exposé für einen historischen Roman geschickt, was direkt zu unserer 1. Veröffentlichung führte. So ist 2009 unser Debütroman, „Das Revuemädchen“, entstanden und im Anschluss unser zweites Buch, „Die Seidenrose“. Als während der Arbeit an unserem 3. Projekt Unstimmigkeiten entstanden, entschieden wir, das Buch als Selfpublisher zu veröffentlichen. Es lief richtig gut und das Buch schaffte es sogar bis auf Platz 1 der Amazon-Charts. Später wurde es in mehrere Sprachen übersetzt. Das war schon überwältigend. Wir haben dann auch die Rechte an unseren ersten beiden Romanen zurückerhalten und diese ebenfalls als Selfpublisher veröffentlicht.

Was sind denn die größten Herausforderungen beim gemeinsamen Schreiben?

Julia: Wir haben oft unterschiedliche Meinungen beim Plot und diskutieren dann lange darüber. Wenn wir uns nicht einigen können, lassen wir es für ein paar Stunden liegen und finden dann einen Kompromiss. Das gemeinsame Schreiben hat viele Vorteile. Ich persönlich stelle es mir schwer vor, alles allein zu machen als Selfpublisher:in, wenn man sich mit niemandem austauschen kann. Zu zweit entwickelt man viele Ideen und Lösungen, die Arbeit kann aufgeteilt werden. Stärken des jeweils anderen können sinnvoll eingebracht werden. Für mich ist der gegenseitige Austausch ein riesiger Vorteil.

Horst: Wenn wir zusammenarbeiten, haben wir immer zwei Sichtweisen. Eine männliche und eine weibliche. Ich denke ganz anders über einige Dinge als Julia.

Wie geht ihr das Schreiben als Duo an?

Horst: Zuerst entwickeln wir den Plot auf ca. 4-5 Seiten. Dann teilen wir diesen in Kapitel auf und dann diese Kapitel in Szenen. Anschließend besprechen wir die einzelnen Szenen. Wir machen uns für jede Szene Stichpunkte und brainstormen gemeinsam. Diese Stichpunkte werden später im 1. Entwurf in etwas Lesbares geordnet. Das tut häufig Julia. Ich lese das Geschriebene, ergänze und überarbeite es. So geht das hin und her, Szene für Szene. Vom Grundgerüst bis zum fertigen Buch arbeiten wir immer zusammen, sitzen beide gleichzeitig im Büro und am PC. Wenn Fragen zu historischen Hintergründen auftauchen, recherchiere ich die. Wichtig ist für uns, dass wir immer genau wissen, was wir schreiben wollen.

Warum habt ihr euch für ein weibliches Pseudonym entschieden?

Horst: Als wir gemeinsam zu schreiben begonnen haben, waren wir noch nicht verheiratet. Als es ums Thema Autor:innen-Name ging, haben wir uns deshalb auf einen Kompromiss geeinigt: Julias Vorname und mein Nachname. So ist Julia Drosten entstanden.

Und nach all der Arbeit, all den Jahren als Autorenduo habt ihr es letztes Jahr endlich geschafft: Ihr durftet mit „Denn die Hoffnung endet nie“ den Kindle Storyteller Award mit nach Hause nehmen. Was war das für ein Gefühl?

Julia: Als Greg Walters die Laudatio vorgelesen hat, wussten wir irgendwann, dass es sich um unser Buch handelt. Unsere Gefühle wechselten von Ungläubigkeit zu riesiger Freude. Das waren so schöne, wertschätzende Worte in der Laudatio, dass uns gleich die Tränen gekommen sind. Wir haben einen langen Weg hinter uns. Es war eine riesige Ehre, nach all den Hürden und Herausforderungen den Preis zu gewinnen.

Horst: Das war hochemotional für uns. Als wir nominiert wurden, habe ich fest daran geglaubt, dass wir gewinnen können. Ich erinnere mich, wie ich zu Julia sagte, nachdem wir das Buch beendet hatten: „Da ist uns etwas richtig Gutes gelungen.“ Dies haben uns auch unsere Lektoren Anja Dietel und Thomas Dellenbusch bestätigt und uns dabei geholfen, noch einmal das Allerbeste aus der Geschichte herauszuholen. Beide haben an uns geglaubt. Wir haben schon viele Romane geschrieben, aber dieser ist aktueller und persönlicher als alles, was wir bisher veröffentlicht haben. Mein Vater hat den Krieg noch mitgemacht. Wir müssen aufpassen, dass das nie wieder passiert.

Der Storyteller ist auf jeden Fall eine riesige Wertschätzung für eure Arbeit als Selfpublisher. Leider wird diese von Leser:innen nicht immer geteilt. Was würdet ihr zu jemandem sagen, der glaubt, Selfpublishing mache nur, wer nicht gut genug für einen Verlag sei?

Julia: Ich denke, es gibt ganz viele Leser:innen, die das nicht so sehen. Wenn jemand so auf mich zukäme, dann würde ich mir denken, der will mich provozieren und es ist nicht meine Aufgabe, ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Selfpublisher:innen sollten mit Stolz auf ihre Arbeit blicken und müssen sich nicht dafür rechtfertigen. Jede:r Selfpublisher:in ist ein eigenes kleines Unternehmen mit sehr großer Professionalität.

Horst: Selfpublishing bietet auch gute Verdienstmöglichkeiten, die in einem Verlag häufig nur den Autor:inen von Spitzentiteln zuteilwerden.

Julia: Es gibt ja auch genug Beispiele von Büchern, die von Verlagen abgelehnt wurden und die dann im Selfpublishing sehr erfolgreich waren.

Horst: Für mich ist Selfpublishing das Beste, was man als Autor:in machen kann. Unsere Bücher sind erfolgreich und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Im Endeffekt machen wir nichts anderes als ein Verlag auch.

Ihr schreibt eure Bücher ja überwiegend im historischen Bereich. Was fasziniert euch am meisten an diesem Genre?

Julia: Für mich ist das wie eine Zeitreise. Als würde ich in eine vergangene Epoche reisen und diese von innen heraus kennenlernen. Ich lasse mich dann beim Recherchieren auch überraschen und verblüffen, wie die Menschen damals lebten und handelten. Vieles wiederholt sich in der Geschichte. Es ist schön, sein Wissen zu erweitern und neue Aspekte einer Epoche kennenzulernen sowie Klischees zu brechen. Man erweitert seinen Horizont.

Horst: Da stimme ich in allem zu.

Ihr seid für die Recherche eurer Bücher schon weit gereist. Was ist euch dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Julia: Für unser letztes Buch „Denn die Hoffnung endet nie“ waren wir in Polen. Das war ja ein düsterer Schicksalsort im zweiten Weltkrieg. Es war für uns sehr bewegend, einige dieser Schauplätze mit eigenen Augen zu sehen.

Horst: Für mich war der emotionalste Aspekt während einer Ägyptenreise im Karnak-Tempel. Da haben vor 5.000 Jahren schon Menschen gebetet. So etwas erleben zu dürfen, sich das anschauen zu können, das war sehr emotional für mich. Die großen Säulen, die Pyramiden – all das hat mich fasziniert. Oder einmal, da waren wir auch in Sri Lanka für die Recherche zu unserem Buch „Die Elefantenhüterin“. Wir hatten einen privaten Guide, der uns alle Buch-Schauplätze gezeigt hat. Da gab es einen Ort, wo die Briten als Vergeltung für einen Aufstand singhalesische Jungen und Männer aufgehängt haben.

Julia: Man fühlt sich diesen vergangenen Ereignissen plötzlich sehr nahe.

Horst: Deshalb reisen wir. Nicht zum Urlaub machen, sondern für die Recherche. Wir wollen die Orte mit allen Sinnen erfahren, damit die Lesenden das Gefühl haben, selbst dort zu sein. Wenn man selbst da war, kann man das viel authentischer wiedergeben.

Ihr habt ja nicht nur Bücher, sondern auch Hörbücher veröffentlicht: Denkt ihr, das lohnt sich für Selfpublisher:innen?

Horst: Ich sehe das etwa so wie das E-Book. Das hat lange gedauert, bis sich das entwickelt hat. Beim Hörbuch wird es dasselbe sein. Es wird eine Zeit dauern, aber dann wird das ein richtig großer Markt für Selfpublisher:innen sein.

Julia: Es kann sich lohnen, wenn man die Technik und einen professionellen Sprecher hat. Aber das kostet sehr viel. Man kann es allerdings weniger kontrollieren als die E-Book-Veröffentlichung; man ist vom Können der anderen abhängig, also von der Qualität der Sprecher und der Tonmöglichkeiten.

Horst: Es ist eine neue Möglichkeit, Lesende zu erreichen, die man sonst nicht erreichen würde. Wir wollten es einfach mal ausprobieren. Je nach Umfang sollte man mindestens 5.000 Euro einplanen.

Ihr habt es mit euren Büchern auch in den internationalen Markt geschafft. Wie seid ihr da rangegangen?

Horst: Wir waren bei Amazon vor einigen Jahren eingeladen zu einem Symposium in Berlin, zusammen mit anderen Autor:innen und Händler:innen. Das war ein großes Event. Viele Leute aus dem Ausland waren ebenfalls da, unter anderem Vertreter:innen von Amazon Crossing. Das ist ein US-amerikanischer Verlag, der zu Amazon gehört und Übersetzungen macht. Ich habe die damalige Programmchefin gefragt: „Wir haben da ein Buch, das schon in Deutschland Nummer 1 war. Wollt ihr euch das nicht anschauen?“ Wir haben ihnen dann ein Exposé geschickt und sie haben es genommen. Das war „Die Löwin von Mogador“. Inzwischen beauftragen wir aber auch selber Übersetzungen selbst. So wird die Marge wieder höher.

Julia: Wir arbeiten mit einer Übersetzerin zusammen, die wir durch Amazon Crossing kennengelernt haben.

Und zum Schluss noch: Welche Tipps würdet ihr angehenden Selfpublisher:innen mitgeben?

Horst: Ein Lektorat. Und viel Durchhaltevermögen.

Julia: Einen marktgerechten Plot zu entwickeln, der auch Chancen hat, sich zu verkaufen. Am besten schaut man, was gerade „in“ ist im eigenen Genre und schreibt dann trendgerecht, wenn man wirklich Erfolg haben will. Auch als Selfpublisher:in muss man sich darüber im Klaren sein, dass man zuerst viel Geld n die Hand nimmt und das bei den ersten paar Büchern wahrscheinlich nicht wieder einnimmt. Man muss den Erfolg nach und nach aufbauen.

Horst: Unser Erfolg kam nicht über Nacht, aber der der Storyteller war für uns die Bestätigung, dass die jahrelange Arbeit sich gelohnt hat.

Danke euch beiden für eure Zeit!

Julia Drosten

Julia Drosten sind in Wirklichkeit Julia und Horst Drosten. Sie sind nicht nur eine Arbeits-, sondern auch eine Liebesgemeinschaft. Seit vielen Jahren fantasieren, recherchieren und schreiben sie mit Begeisterung zusammen. Mit ihrem historischen Roman „Denn die Hoffnung endet nie: Im Sturmwind der Freiheit“ gewannen sie 2021 den begehrten Kindle-Storyteller-Award. Mehr unter: https://julia-drosten.com/


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