Selfpublisher im stationaeren Buchhandel

[Erfolgsgeschichten] Selfpublishing im Buchhandel – 4 Autor:innen berichten

Selfpublishing und Buchhandel bleibt ein spannendes Thema. Wir haben in den letzten Wochen Buchhandlungen befragt, mit Dienstleistern gesprochen und lassen nun unsere Autor:innen zu Wort kommen. Die Autor:innen Sandra Florean, Katharina Mosel, Jennifer Hilgert und Vernon Dure berichten von ihren Erfolgen, Hürden und ziehen Fazit.

Rückblick über bisherige Artikel dieser Serie:

 

Sandra Florean

Sandra Florean Hybrid Autorin

© Sandra Florean

Welche Hürden gab es für dich zu meistern?

Ich habe sowohl meine Verlagsbücher als auch meine selbstverlegten in Buchhandlungen persönlich vorgestellt. Da ich Fantasy schreibe, war das die erste Hürde, die ich zu meistern hatte. Denn der Buchhandel reagiert nicht immer aufgeschlossen. Die zweite Hürde war dann tatsächlich das Selfpublishing, was leider stellenweise noch immer mit Naserümpfen betrachtet wird.

 

Wo hattest du Erfolg?

Bei Ketten wie Hugendubel hatte ich kein Glück, die haben sofort abgewinkt und sich seitdem auch nicht zugänglich gezeigt. Würde die Geschichte einen lokalen Kern haben, könnten sie sich vorstellen, die Bücher auszulegen, so die Empfehlung damals. Allerdings auch nur auf Kommission.

Mehr Glück hatte ich bei inhabergeführten Buchhandlungen. Zum einen hat man den Entscheidungsträger dort direkt vor sich und dann haben sie nicht ohne Grund ihr eigenes Reich, anstatt eine Filiale zu übernehmen. Die erste positive Rückmeldung erhielt ich vom Fantasyreich Kiel, eine Traditionsbuchhandlung in der Landeshauptstadt, die Fantasy als Schwerpunkt hat und meine Bücher gern ins Sortiment aufnahm. Auch Hauke Harder von der Almut Schmidt Buchhandlung hat meine Bücher im Sortiment und ich habe dort sogar eine Lesung gehalten mit einer Signierstunde, wurde von ihm für sein Online Magazin Leseschatz interviewt und stehe in regem Kontakt mit ihm. Die beiden nur als positives Beispiel. Es gab noch einige mehr, die sich über meinen Besuch gefreut haben, ich habe aber ebenso viele Absagen bekommen.

 

Wie sollte man am besten vorstellig werden?

Es lohnt sich, persönlich vorstellig zu werden, wenn man es sich zeitlich leisten kann.

Allerdings muss man sich vorher bewusst sein, dass die Buchhändler:innen selbstverlegte Bücher sehr kritisch beäugen. Hier muss man mit viel Feingefühl Überzeugungsarbeit leisten. Das äußere Erscheinungsbild muss perfekt sein, perfekter noch als bei einem Verlagsbuch, in dem man ebenso häufig Schreibfehler und auch Buchsatzmacken findet.

 

Wie läuft eine bestehende Zusammenarbeit ab?

Mittlerweile gehe ich nicht mehr mit jeder Neuerscheinung direkt in die Buchhandlungen, dazu fehlt mir die Zeit, aber ich halte Kontakt über E-Mail und Telefon oder sogar Messenger, wenn man sich schon kennt.

 

Kannst du Autor:innen empfehlen, in Buchhandlungen vorstellig zu werden?

Ja, ich finde den Buchhandel sehr wichtig und bisher haben sich meine Bemühungen, meine Bücher dort bekannt zu machen, zumindest im Ansatz bezahlt gemacht. Natürlich ist das ein langwieriger Prozess und die Erfolge nicht direkt messbar, aber ich arbeite mit den drei bekanntesten Grossisten zusammen, über die der Buchhandel seine Titel bezieht, und sehe ja, was an Bestellungen reinkommt.

Es ist jedoch ein hartes Stück Arbeit und die Insolvenz von KNV sowie die Sortimentsbereinigung von Libri machen es nicht leichter. Jetzt während und nach der Corona-Krise werden wir Einzelkämpfer oder auch Kleinverlage es vermutlich sogar noch schwerer haben, in den Buchhandlungen einen Fuß in die Tür zu bekommen. Jede Buchhandlung ist ja vor allem ein Wirtschaftsunternehmen und durch die Schließung haben sie große Verluste eingefahren, die sie nun nicht mit Experimenten ausgleichen wollen, sondern mit dem, von dem sie wissen, dass es sich verkauft.

 

Katharina Mosel

Selfpublisher in der Buchhanldung

© Katharina Mosel

Bereits mit deinem ersten Buch bist du im örtlichen Buchhandel an zwei Standorten vertreten gewesen. Weißt du, wie viele Buchhandlungen deine Titel heute führen?

Mit meinem ersten Buch, was ich zusammen mit meiner Cousine geschrieben habe, waren wir in Hamburg mindestens in drei Buchhandlungen, in Köln lagen die Bücher mindestens in zwei Buchhandlungen aus. So genau weiß ich das nicht mehr.

 

Du hast dich am Anfang persönlich in der Buchhandlung vorgestellt und damit bereits Erfolg gehabt. Hat das mit deinen weiteren Büchern ebenso funktioniert?

Bei Buch zwei und drei habe ich mir nicht mehr die Mühe gemacht und Buchhandlungen persönlich aufgesucht. Das war bei dem ersten Buch anders, da überwog der Spaßfaktor. Mir ist das zu zeitaufwendig und – wirtschaftlich betrachtet – macht das auch keinen Sinn.

Bei „Konfetti im Winter“ habe ich bei der Mayerschen Buchhandlung angefragt, ob Interesse besteht. Die waren interessiert und seitdem liegt das Buch in mehreren Filialen aus. Außerdem auf Sylt in mindestens einer Buchhandlung. Darüber hinaus noch in weiteren im Land, das ist über Nova MD oder sonstige Kontakte gelaufen.

 

Wie handhabst du die Abrechnungen?

Bis auf eine Buchhandlung in Köln (eine Fachbuchhandlung u.a. für juristische Bücher) haben die Buchhandlungen die Bücher selbst bestellt. Mit der juristischen Buchhandlung hatte ich eine Kommissionsregelung. Das würde ich aber nicht noch einmal machen, da das viel zu aufwendig ist. Die Buchhandlungen fordern einen Rabatt von 40 Prozent.

 

Lohnt sich deiner Meinung nach das eigene Buch in einer Buchhandlung?

Ich denke, dass es zunächst für jeden Autor und jede Autorin ein Traum ist, wenn man das eigene Buch in der Buchhandlung besuchen kann, abseits jeder wirtschaftlichen Betrachtungsweise. Letztlich lohnt sich jedes verkaufte Exemplar für mich. Wenn ich pro Buch einen Umsatz (nach Abzug der Druckkosten) in der Größenordnung von EUR 2,- bis 3,- erziele, ist es okay für mich. Das liegt an den günstigen Druckkonditionen. Die Bücher müssen von den Buchhandlungen unproblematisch über den Großhändler bestellt werden können und der oben erwähnte Rabatt muss stimmen.

Klar wäre es cool, einen eigenen Autorentisch zu bekommen, das würde auch sicher helfen. Ich halte das Szenario aber für unrealistisch, denn die Buchhandlungen sind in erster Linie Unternehmen, die Geld verdienen möchten. Man müsste es mal ausprobieren und einen Tisch in einer Buchhandlung bezahlen, sofern es die Möglichkeit überhaupt für SP-Bücher gibt. Wie hoch die Kosten wären, kann ich allerdings nicht abschätzen.

Letztlich läuft ein Buch dann gut, wenn Leser in die Buchhandlung kommen und es bestellen. Ob auf Empfehlung oder weil sie davon gehört haben. Irgendwann nimmt es der Buchhändler ins Sortiment auf. Ausnahmen bestätigen die Regel. Regionale Literatur ist die Ausnahme, eine Lesung vor Ort kann helfen. Ich kenne aber auch Fälle, wo Buchhandlungen Lesungen angekündigt haben und es kaum Zuhörer gab.

Zusammengefasst: Es ist kompliziert.

 

Vernon Dure

Selfpublisher im Buchhandel

Wie bist du vorgegangen, um die Buchhandlung auf deine Titel aufmerksam zu machen?

Ich habe die örtlichen Buchhandlungen (und die im näheren Umkreis) persönlich angesprochen und meine Bücher vorgestellt.

 

Wo lagen die Herausforderungen?

Die Buchhändler zu diesem Experiment zu bewegen und die Konditionen. Ursprünglich hatte ich Kommission angeboten, damit aber keine guten Erfahrungen gemacht. Inzwischen liefere ich gegen Rechnung zu den branchenüblichen Konditionen (Zahlungsziel, Rabatt, Rückgaberecht). Die Zahlungsmoral ist durchgängig mau (Erinnerungen/ Mahnungen sind die Regel, nicht die Ausnahme).

 

Was kam besonders gut an?

Mein Angebot, Lesungen zu halten.

 

Lohnt sich eine Präsenz im Buchhandel deiner Meinung nach?

Die beiden Buchhandlungen, die ich regelmäßig beliefere, bestellen meine Titel ausschließlich auf Anforderung von Kunden, und halten sie aus wirtschaftlichen Gründen nicht (mehr) im Laden vor. Die beiden Tageszeitungen mit Lokalteil nehmen inzwischen meine Pressemeldungen gerne auf (2- oder 3-spaltige Berichte), denen dann Bestellungen mit kurzem Nachlauf folgen.

Von erfolgreich möchte ich jedoch nicht sprechen, da viele Kund:innen offenbar nicht die Geduld haben, für ein bestelltes Buch nochmal in die Buchhandlung gehen zu müssen.

 

Jennifer Hilgert

Selfpublisher in der Buchhanldung

© Jennifer Hilgert

In welchen Buchhandlungen sind deine Bücher zu finden?

Mein aktuelles Buch, ein Märchen, habe ich in zwei Buchhandlungen in Mainz untergebracht. Außerdem liegen drei meiner Titel in einem Café zum Verkauf auf Kommission bereit. In der Vergangenheit haben zwei lokale Buchhandlungen in meiner Heimat die „Tage wie Türkis“ aus dem Barsortiment in ihren Regalen aufgenommen. Die eine Buchhandlung in Mainz wiederum hat gleich ausreichend Bücher bei mir eingekauft.

 

Wie bist du vorgegangen, um deine Titeln im Buchhandel zu platzieren?

Für mich war es klar, dass ich persönlich vorstellig werden möchte. Ich habe mir eine Liste mit in Frage kommenden Buchhandlungen meiner Stadt zusammengestellt. Nachdem mein E-Mail Erstkontakt und die darauffolgenden telefonischen Nachfragen (bei weit über zehn Buchhandlungen) mir nicht viel mehr als Vertröstungen und Absagen eingebracht hatten, habe ich etwa acht Buchhandlungen trotzdem aufgesucht.

Neben meinen Büchern und dem Flyer mit meinen Kontaktdaten bewaffnete ich mich zudem noch mit den Zeitungsartikeln der lokalen Blättchen, die über meine vergangenen Lesungen berichtet hatten.

Für nahezu alle Buchhandlungen, sowohl die von denen ich eine Absage kassierte als auch die,  die meine Bücher aufnahmen, gab es eine wichtige Bedingung: eine Buchbesprechung in der hiesigen Tageszeitung. Die Artikel im Lokalanzeiger genügten nicht. Das ist mir in der Lokalzeitung meiner Heimatstadt auch gelungen, hier in Mainz lehnte man mich ab, da ich „nur“ Selfpublisherin war. Einen Verlag zu haben scheint immer noch DER Garant für Qualität! Da interessierte nicht, dass ich bereits einen Preis für „Tage wie Türkis“ gewonnen habe oder in Mainz für Lesungen gebucht werde. Ein Teufelskreis?

 

Was waren die Herausforderungen?

Die größte Herausforderung war und bin ich. An manchen Tagen gelingt es mir, meine Stärken im persönlichen Kontakt für mich zu nutzen. Dann gehe ich als „Gewinnerin“ aus dem Gespräch hervor, ob meine Bücher nun abgelehnt werden oder nicht. Weil allein mein Mut zählt und ich meinen Ängsten und Selbstzweifeln NICHT das Feld überlasse. Um so schöner, wenn diese Art der  „Mutprobe“ auch noch belohnt wird. Mein persönlicher Auftritt als Vertreterin meiner eigenen Werke sagt aus: Ich bedeute mir etwas.

Selbstverständlich gibt es auch andere Tage. Dann, wenn ich nicht so selbstbewusst bin und mich nicht traue,  in einer Buchhandlung vorzusprechen. Schließlich bin ich ein Mensch und keine Motivationsmaschine.

 

Was würdest du beim nächsten Buch anders machen?

Lesung organisieren, Pressemitteilung schreiben, einladen und überzeugen. Ohne Vorankündigung im Laden der Buchhändler:innen stehen? Ich würde es trotzdem wieder tun. Wahrscheinlich ist es in Zukunft trotzdem besser, eher den Weg zu wählen, mich telefonisch für ein Treffen zu verabreden. Mit einem offiziellen Termin können sich beide auf die Situation einstellen.

 

 

Ein großes Dankeschön geht an Sandra, Katharina, Vernon und Jennifer für eure Erfolgsberichte!

 

Fazit

Wir hoffen, dass wir euch das Thema Selfpublishing und Buchhandel etwas näherbringen konnten. Auch in Zukunft wird der Verband weiter an der Zugänglichkeit für Selfpublishing-Titel im Handel arbeiten. Events wie der Dialog vor Ort mit Umbreit und einigen weiteren Selfpublishing-Dienstleistern dienen dazu, Aufklärungsarbeit zu leisten und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch der Selfpublishing-Buchpreis ist ein Zeichen dafür, dass Selfpublishing-Titel sich nicht verstecken müssen. Bis zum 31. Juli 2020 kannst du deinen Titel noch ins Rennen schicken. Weitere Informationen findest du hier.

 


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