Mit einem Nebenlizenzvertrag im Buchhandel erfolgreich werden – Ein Interview mit dem Belle Époque Verlag

Mit einem Nebenlizenzvertrag im Buchhandel erfolgreich werden –
Ein Interview mit dem Belle Époque Verlag

Du hast einen Titel im Selfpublishing bereits als E-Book veröffentlicht? Die Printausgabe ist bisher nur über den Onlinehandel verfügbar? Die Verkäufe laufen gut und ein nächster Schritt wäre für dich, auch im stationären Buchhandel vertreten zu sein. Für solche Selfpublisher:innen bietet der Belle Époque Verlag ein Konzept an. Wir haben Inhaber Christian Reichenbach interviewt, wie dieses Konzept funktioniert.

In diesem Interview erfährst du, was der Belle Époque Verlag ist, wie genau der Verlag die Titel von Selfpublisherinnen und Selfpublishern in den Handel bringt und welche weiteren Möglichkeiten der Verlag bietet.

 

Der Belle Époque Verlag verfolgt ein besonderes Konzept. Wie genau unterscheidet er sich von herkömmlichen Verlagen und wie können Selfpublisher:innen davon profitieren?

Der BE-Verlag nimmt nur die Rechte in Anspruch, die für eine Veröffentlichung gebraucht werden. In der Regel ist das eine zeitlich begrenzte, kündbare Drucklizenz.

Ein herkömmlicher Verlag beansprucht in der Regel alle Rechte für das Werk über einen langen Zeitraum. Autor:innen können dann selbst kein E-Book veröffentlichen und keine Hörbuch-Lizenz vergeben.

Herkömmliche Verlage erwirtschaften ihren Umsatz mit gedruckten Ausgaben. Als Autor:in erhält man davon einen eher überschaubaren Anteil am Nettoertrag. Der Preis für das E-Book wird in der Regel so hoch angesetzt, dass es für die Druckausgabe keine Konkurrenz darstellt. Es werden deshalb nur wenige E-Books verkauft, was lokale Buchhändler natürlich begrüßen. Die Folge ist, dass Autor:innen zwar deutlich mehr gedruckte Bücher verkaufen, als wenn sie selbst z.B. eine Print-on-Demand Ausgabe erstellen, in Summe aber weniger verdienen, weil die Einnahmen aus dem E-Book fehlen.

Selfpublisher:innen profitieren also beim BE-Verlag durch höhere Einnahmen und mehr Kontrolle über die Veröffentlichungsrechte.

Fairerweise muss man natürlich sagen, dass die herkömmlichen Verlage ein umfangreiches Lektorat und Korrektorat vornehmen und ein eigenes Buchcover designen lassen, während dies bei uns durch die Autor:innen geschieht.

Ein Ziel des Belle Époque Verlags ist es, die Titel von Selfpublisher:innen in den Buchhandel zu bringen. Wie läuft eine Zusammenarbeit genau ab?

Wir drucken die Bücher im Auflagendruck und lagern sie bei einer Verlagsauslieferung. Die Bücher werden im VLB gelistet und über die Barsortimente Libri, KNV Zeitfracht und Umbreit vertrieben.

Unsere Autorinnen und Autoren erwarten, dass wir die Druckausgabe zeitnah zum E-Book in den Handel bringen. Bei herkömmlichen Verlagen muss man sich an den Rhythmus der Branche anpassen und nach Abgabe des Manuskripts 9 Monate oder länger warten, bis das Buch erscheint.

Wir veröffentlichen innerhalb von etwa 4-5 Wochen, wobei die meiste Zeit für Druck und Transport der Bücher zu veranschlagen ist.

Die Zusammenarbeit funktioniert bei bestehenden Beziehungen oft völlig unproblematisch. Die oder der Autor:in schickt eine E-Mail: ‚Hier ist mein neues Buch – bitte veröffentlichen‘. Alles andere übernehmen wir.

Oftmals haben Selfpublisher:innen bereits ihr E-Book oder sogar eine Printausgabe veröffentlicht. Können Sie jede:n Selfpublisher:in aufnehmen?

Da es dem BE-Verlag um Druckausgaben geht, spielen die Ausschließlichkeits-Klauseln im Bereich E-Book für uns keine Rolle. Auch bei einer Amazon-Printausgabe sehen wir keinen Konflikt, da diese nicht im allgemeinen Buchhandel erscheint.

Wurde allerdings schon eine Printausgabe im Handel veröffentlicht, dann macht es keinen Sinn mehr, zusätzlich noch eine weitere Ausgabe in den Buchhandel zu bringen. Wenn die oder der Selfpublisher:in über einen Dienstleister veröffentlicht, der E-Book und Print bedient, dann muss man die Verträge genau lesen.

Welche Kriterien müssen noch erfüllt sein, um bei Ihnen unter Vertrag zu kommen?

Neben den schriftstellerischen Qualitäten ist es für uns wichtig, dass das Werk als E-Book überdurchschnittlich erfolgreich ist, bzw. bisherige Werke der Autorin oder des Autors entsprechend erfolgreich waren.

Der Titel sollte auf einer der Bestsellerlisten im vorderen Bereich ranken, um bei uns angenommen zu werden. Wir maßen uns also nicht an, vorher zu wissen, was beim Leser ankommt, sondern schauen auf den tatsächlichen Erfolg.

Oft ist es leider so, dass der Kunde im Buchgeschäft nur das kaufen kann, was die herkömmlichen Verlage als ‚Bestseller‘ positionieren wollen.

Welche Erfolgsgeschichte ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Im vergangenen Jahr waren wir durch die Zusammenarbeit mit einer Reihe bedeutender Science-Fiction-Autor:innen dazu in der Lage, viele der auf Amazon erfolgreichen SF-Werke exklusiv im Handel anbieten zu können. Wir haben zusätzlich Vereinbarungen mit namhaften Krimi-Autor:innen wie Elke Bergsma, Marcus Hünnebeck und Salim Güler geschlossen. Dadurch können wir nun ständig Romane anbieten, die als E-Book in den Amazon Top 100 sind, bzw. auf der Bild Bestsellerliste stehen.

Aktuell haben Sie die Kapazitätsgrenzen erreicht. Wie wird sich Ihr Angebot in Zukunft verändern?

Die individuelle Betreuung von Autor:innen und ihren Werken kann man als kleiner Verlag nur in einem begrenzten Umfang leisten. Um mehr als 60-70 Romane im Jahr herauszubringen, müssten wir zusätzliches Personal einstellen. Die Personalkosten wären aber höher als der zusätzliche Ertrag.

Was ich mir vorstellen kann, ist, dass wir unsere Logistik weiteren Autor:innen zur Verfügung stellen, die Bücher selbst in Auflage drucken lassen wollen. D.h. die Autor:innen sehen sich selbst als Unternehmer und bringen ein Buch heraus, das z.B. in seiner Ausstattung nicht als Print-on-Demand möglich ist. Sie lassen das Buch drucken, wir lagern das Buch, machen es bekannt und bedienen den Handel. Aus organisatorischen Gründen erfolgt der Vertrieb im Namen des BE-Verlags und mit unserer ISBN. Die Autorin oder der Autor bekommt regelmäßig Informationen über den Verkaufserfolg und erhält ihren oder seinen unternehmerischen Ertrag.

Vielen Dank an Christian Reichenbach für das Interview!


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