Selfpublishing und Buchhandel

Das eigene Buch im Handel stehen zu sehen, ist ein großer Traum vieler Autorinnen und Autoren. Doch oft muss man selbst aktiv werden, wenn man sein Buch in der Buchhandlung sehen möchte. Wie stellt man sich einer Buchhandlung ordentlich vor? Auf was achtet ein/e Buchhändler/in?

Die Buchhandlung Ponystübchen in Ingelheim hat uns einen Blick hinter die Kulissen gewährt. Sandra Lina Jakob ist Buchhändlerin, Verlegerin und auch Selfpublisherin. In ihrer Esoterik-Buchhandlung Ponystübchen in Ingelheim gab es bereits den ein oder anderen Selfpublishing-Titel im Sortiment. Aber es mussten auch Absagen erteilt werden. Doch dafür gab es gute Gründe.

Wie sollte der Erstkontakt zur Buchhandlung hergestellt werden?

Jakob hält einen Erstkontakt per E-Mail für sinnvoll, da gerade bei größeren Buchhandlungen der Filialleiter nicht immer vor Ort ist und damit der Entscheidungsträger nicht angetroffen werden kann. Am besten vereinbart man einen Termin zur persönlichen Vorstellung. Wer trotzdem spontan vorbeischauen möchte, sollte sich dafür am besten nicht gerade einen Samstag aussuchen. Am betriebsamsten Tag der Woche läuft man Gefahr, aufgrund des Stresses schnell abgewimmelt zu werden.

Was sollte man beim persönlichen Termin mit der Buchhandlung alles dabei haben?

Ohne Leseexemplar geht nichts, so Jakob. Gerade beim Selfpublishing gibt es eine große Bandbreite, von hervorragend bis hobbymäßig. Es gibt Selfpublishing-Titel, die sich nicht von einem Verlagstitel unterscheiden, andere hingegen sind nicht einmal lektoriert, das Cover sieht aus wie lieblos mit Paint zusammengesetzt, der Buchsatz fehlt gänzlichst und überall sind Rechtschreibfehler. Einen solchen Titel kann die Buchhändlerin ihren Kunden nicht mit gutem Gewissen empfehlen. Ein Blick in das Belegexemplar verschafft einen ersten Eindruck von der Qualität des Buches. Dass das Belegexemplar in der Buchhandlung bleibt, ist nicht unüblich. Gerade bei einer Themenbuchhandlung wie dem Ponystübchen macht sich die/der Inhaber/in gerne persönlich einen Eindruck vom Inhalt, so Jakob.

Welche Qualitätsmerkmale sind bei einem guten Selfpublishing Titel auf den ersten Blick zu erkennen?

  • Ein gültiges Impressum
  • Das Buch sollte beim ersten Durchblättern möglichst rechtschreibfehlerfrei sein
  • Der Buchsatz sollte stimmig aussehen
  • Das Cover wirkt professionell und ansprechend, der Zielgruppe entsprechend
  • Das Buch passt zum Themenschwerpunkt der Buchhandlung

Was verdient die Buchhandlung an einem Selfpublishing-Titel?

Es ist geschafft und die/der Buchhändler/in von dem Titel überzeugt. Eine Buchhandlung zu führen, ist etwas anderes, als einen Onlineshop zu betreiben. Mieten in Bestlagen sind teuer und Mitarbeiter müssen ebenfalls bezahlt werden. Bei der Händlermarge sollte man daher mit mindestens 40 % vom Verkaufspreis rechnen. Darunter lohnt es sich für den Buchhandel kaum.

Daher sollte jede Selfpublisherin und jeder Selfpublisher vorab einmal durchrechnen, ob bei 40 % Buchhandelsprovision, abzüglich der eigenen Kosten für das Buch, vom Verkaufspreis überhaupt noch etwas übrig bleibt. Wenn nicht, könnte es sinnvoller sein, Lieferung und Abwicklung durch den Publikationsdienstleister durchführen zu lassen.

Wie erfolgt die Abwicklung, wenn die Buchhandlung den Titel ins Sortiment aufnehmen will?

Üblich ist das Kommissionsgeschäft. Der/Die Autor/in liefert die Bücher in die Buchhandlung und erst nachdem sie verkauft sind, wird eine Rechnung ausgestellt. Für den Buchhandel ist das eine übliche Vorgehensweise, da auch Verlagsbücher remissionsfähig sind. Bücher im Kommissionsgeschäft bringen allerdings auch mehr Arbeit mit sich, als wenn das Buch direkt über das Barsortiment bezogen werden kann. Rechnungen müssen beglichen und neue Bücher über die/den Autor/in nachbestellt werden.

Viel einfacher für beide Seiten ist es, wenn das Buch direkt über das System des Buchhandels bestellt werden kann. Eine deutsche ISBN sowie eine Listung im VLB (Verzeichnis Lieferbarer Bücher) sind daher sinnvoll. Das kann man entweder selbst veranlassen, aber viele Publikationsdienstleister übernehmen diesen Service für die/den Selfpublisher/in.

 

Der erste Schritt ist geschafft und das Buch wurde in der Buchhandlung angenommen. Was sollte man nun unternehmen, damit die Zusammenarbeit gut verläuft? Die Krimiautorin Stella Fontana hat bereits in unserem Livestream von ihren Erfahrungen berichtet. Wir haben ihr einige Fragen gestellt.

Selfpublisherin Stella Fontana im Buchhandel

Was kann man tun, damit die Zusammenarbeit bestehen bleibt?

Eine Buchhandlung ist ein Wirtschaftsunternehmen. Natürlich geht es ums Geldverdienen. Und ein Titel, der sich gut verkauft, wird gerne ins Regal aufgenommen. Zuerst einmal hilft eine gut ausgebaute Online-Präsenz. Durch sie profitiert auch die Buchhandlung. Macht man Werbung dafür, dass der eigene Titel auch im Handel verfügbar ist, wird er dort besser wahrgenommen.

Aber auch eine erweiterte Zusammenarbeit bietet sich an. Zum Release von Fontanas letztem Krimi gab es eine Lesung in der Goslarer Buchhandlung, bei der einige Bücher ein neues zu Hause fanden. Von solch einer Lesung profitieren beide Seiten. Erweitertes regionales Marketing kann die Verkaufszahlen der Buchhandlung nach oben treiben. Ein Artikel in der Zeitung oder Lesungen in Cafés, setzen den Fokus auf den im Selfpublishing erschienen Titel.

Lohnt sich eine Buchhandelspräsenz?

Durch eine Präsenz im Buchhandel wird der eigene Selfpublishing-Titel einem neuen Markt eröffnet. Je nach Zielgruppe kann das sehr lohnenswert sein. Dabei sollte man unbedingt auf die Konditionen achten, dass für beide Seiten am Ende etwas übrig bleibt. Die Wahl der Veröffentlichungsplattform sollte bei einer beabsichtigten Buchhandelspräsenz gut durchdacht sein.

Auf alle Fälle geht für die meisten Selfpublisher ein großer Traum in Erfüllung, wenn das eigene Buch zum ersten Mal im Regal einer Buchhandlung zu finden ist.

Wie der Publikationsdienstleister Books on Demand seine Autorinnen und Autoren bei der Buchhandelspräsenz unterstützt, erfahrt ihr am 14. Mai um 16 Uhr im Livestream auf Instagram.

 


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