„Verlag sucht Autor:innen“ – Warum du bei solchen Anzeigen vorsichtig sein solltest


Du hast dein Manuskript fertig. Monatelang hast du daran geschrieben, es überarbeitet und daran gefeilt. Jetzt möchtest du es veröffentlichen, am liebsten bei einem Verlag. Und dann siehst du eine Anzeige: „Verlag sucht Autor:innen. Senden Sie uns Ihr Manuskript!“ Endlich, denkst du. Endlich sucht mal jemand nach mir, statt dass ich suchen muss.

Genau hier beginnt eine Geschichte, die leider für viele Autor:innen damit ausgeht, dass sie teures Lehrgeld bezahlen. Denn hinter solchen Anzeigen stecken häufig sogenannte Druckkostenzuschussverlage. In diesem Artikel erklären wir, was das ist, wie du sie erkennst, warum sie nichts mit Selfpublishing zu tun haben und warum du besser einen Bogen um solche Anbieter machen solltest.

Was ist ein Druckkostenzuschussverlag?

Ein Druckkostenzuschussverlag (kurz DKZV) ist ein Unternehmen, das sich zwar „Verlag“ nennt, aber das Geschäftsmodell eines klassischen Verlags auf den Kopf stellt. Statt in Autor:innen zu investieren und am Buchverkauf zu verdienen, verdient ein DKZV sein Geld an den Autor:innen selbst.

Bevor wir tiefer einsteigen, lohnt sich ein Blick auf die Begriffe, denn davon kursieren einige.

Ein Druckkostenzuschussverlag im engeren Sinne verlangt von Autor:innen einen finanziellen Zuschuss zur anteiligen Deckung des verlegerischen Risikos. Das klingt zunächst nachvollziehbar, führt in der Praxis aber fast immer dazu, dass Autor:innen viel Geld bezahlen und wenig dafür bekommen.

Ein Pseudoverlag geht noch einen Schritt weiter: Hier trägt die Autor:in nicht nur einen Teil, sondern das gesamte wirtschaftliche Risiko. Der „Verlag“ ist im Grunde gar kein Verlag, sondern kassiert lediglich ab, ohne echte verlegerische Leistungen zu erbringen.

Der Begriff Bezahlverlag wird umgangssprachlich als Oberbegriff für beide Varianten verwendet. Er beschreibt, dass Autor:innen für eine Leistung selbst bezahlen müssen, die ein seriöser Verlag aus eigener Tasche finanzieren würde. Der Begriff ist insofern ungenau, als er auch Pseudoverlage umfasst, die streng genommen überhaupt keine Verlage sind. Dennoch hat er sich als allgemeingültige Bezeichnung für diese unseriösen Geschäftspraktiken durchgesetzt, und auch das Aktionsbündnis für faire Verlage (FAIRLAG) verwendet ihn in diesem Sinne. In Österreich und der Schweiz ist zudem der Begriff Selbstzahlerverlag gebräuchlich.

In diesem Artikel verwenden wir der Einfachheit halber den Begriff DKZV, meinen damit aber alle Spielarten dieser Praxis.

Was ist der Unterschied zu einem seriösen Verlag?

Das Wort „Verlag“ kommt von „vorlegen“, also Geld vorstrecken. Ein seriöser Verlag investiert in dein Buch: Er bezahlt Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung, Druck, Vertrieb und Marketing aus eigener Tasche und trägt das wirtschaftliche Risiko. Dafür erhält er einen Anteil am Verkaufserlös. Das bedeutet: Der Verlag hat ein echtes Interesse daran, dass sich dein Buch gut verkauft, denn nur dann bekommt er seine Investition zurück.

Bei einem DKZV läuft das anders. Du bezahlst für die Veröffentlichung oft mehrere tausend Euro. Damit hat der „Verlag“ sein Geld bereits verdient, bevor auch nur ein einziges Exemplar deines Buches über den Ladentisch gewandert ist. Ob sich dein Buch danach verkauft oder nicht, ist für das Geschäftsmodell nebensächlich. Das wirtschaftliche Risiko liegt vollständig bei dir.

Die Bewerbungsfalle: So läuft die Anwerbung ab

DKZVs setzen auf eine perfekt inszenierte Illusion. Der Ablauf folgt fast immer demselben Muster.

Schritt 1: Die Anzeige. „Verlag sucht Autor_innen“, „Schreiben Sie? Senden Sie uns Ihr Manuskript!“, „Wir geben neuen Autor:innen eine Chance.“ Solche Anzeigen findest du auf Google und auf Social Media. Manchmal wenden sich DKZVs auch direkt an Autor:innen, etwa über Social Media. Seriöse Verlage machen das in aller Regel nicht. Große Publikumsverlage ertrinken in unaufgefordert eingesandten Manuskripten. Sie haben keinen Grund, aktiv nach Autor:innen zu suchen.

Schritt 2: Das Lob. Du schickst dein Manuskript ein, und es folgt eine begeisterte Rückmeldung. Dein Text sei vielversprechend, deine Stimme einzigartig, man sehe großes Potenzial. Das fühlt sich wunderbar an, besonders wenn du vorher viele Absagen kassiert hast. Aber Vorsicht: Ein DKZV lobt fast jedes Manuskript, das er erhält. Nicht weil es gut ist, sondern weil hinter jedem angenommenen Manuskript ein zahlender Kunde steckt.

Schritt 3: Das Angebot. Jetzt kommt der Vertrag. Darin stehen Leistungen wie Lektorat, Covergestaltung, Druck, Vertrieb und Marketing. Das klingt professionell. Doch dann folgt die Zahl: 3.000, 5.000, manchmal 10.000 Euro oder mehr sollst du aus eigener Tasche für die Veröffentlichung deines Buches bezahlen. Manche DKZVs nennen das „Druckkostenzuschuss“, andere sprechen von einer „Risikobeteiligung“ oder einem „Finanzierungsbeitrag“. Die Botschaft ist dieselbe: Du musst erst zahlen, damit dein Buch erscheint.

Schritt 4: Der Druck. Zeitdruck, wohlgemerkt. Oft wird suggeriert, das Angebot sei zeitlich begrenzt oder man müsse schnell zuschlagen, bevor der Platz im Verlagsprogramm vergeben ist. Das setzt dich unter Druck und soll verhindern, dass du in Ruhe den Vertrag prüfst oder dich beraten lässt.

Varianten der Abzocke

Nicht alle DKZVs arbeiten gleich. Manche sind offensichtlich, andere tarnen sich geschickter.

Der klassische Zuschuss: Du zahlst eine Pauschale für die Veröffentlichung. Die Summen bewegen sich im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Die Pflichtabnahme: Die Veröffentlichung selbst ist angeblich kostenlos, aber du musst eine Mindestanzahl von Exemplaren kaufen. Dabei handelt es sich oft um mehrere hundert oder tausend Stück. Am Ende sitzt du auf einem Stapel Bücher, die du selbst verkaufen musst.

Die Agentur-Masche: Statt direkt als Verlag aufzutreten, schalten manche DKZVs eine vorgeschaltete „Literaturagentur“. Die Agentur vermittelt dich an den hauseigenen Verlag, bei dem du dann bezahlst.

Die versteckten Kosten: Manche DKZVs verlangen keinen offensichtlichen Zuschuss, kürzen aber deine Tantiemen drastisch, um sich an vermeintlichen Lektoratskosten oder Verwaltungsgebühren schadlos zu halten. Die Kosten stecken hier im Kleingedruckten oder gehen damit einher, dass du erst ab dem 1000. verkauften Buch Tantiemen bekommst, also de facto wahrscheinlich nie.

Was du für das Geld nicht bekommst

Die Versprechungen eines DKZV klingen gut: professionelles Lektorat, ansprechendes Cover, Vertrieb in den Buchhandel, Marketingmaßnahmen, Präsenz auf der Buchmesse. Die Realität sieht meist anders aus.

Lektorat: Ob tatsächlich ein professionelles Lektorat stattfindet, ist bei vielen DKZVs fraglich. Die fertigen Bücher sprechen oft eine deutliche Sprache: Rechtschreibfehler, stilistische Mängel, fehlender Feinschliff. Wenn ein Lektorat stattfindet, kannst du als Autor:in nicht mitbestimmen, wer es durchführt, und hast keine Kontrolle über die Qualität.

Cover: Die Cover von DKZV-Büchern sind häufig nicht markttauglich. Sie wirken unprofessionell, nichtssagend oder passen nicht zum Genre. Ein Cover, das Leser:innen nicht anspricht, ist ein Cover, das keine Bücher verkauft.

Vertrieb: „Ihr Buch wird im Buchhandel erhältlich sein“ klingt beeindruckend, bedeutet aber in der Praxis meist nur, dass das Buch im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) gelistet ist und theoretisch bestellt werden kann. Kein Buchhändler wird es sich alleine deshalb ins Regal stellen. Der Unterschied zwischen „bestellbar“ und „im Buchhandel präsent“ ist gewaltig.

Marketing: Manche DKZVs versenden Pressemitteilungen, die niemand liest, drucken Flyer, die niemand verteilt, oder stellen das Buch auf der eigenen Website vor, die kaum Besucher:innen hat. Echtes Marketing, das Leser:innen erreicht, findet praktisch nicht statt.

Das Kleingedruckte

Neben den Kosten lauern in DKZV-Verträgen oft weitere Fallen. Viele Verträge übertragen die Verwertungsrechte an deinem Manuskript für mehrere Jahre an den Verlag. Das bedeutet: Du kannst dein Buch in dieser Zeit nicht anderweitig veröffentlichen, nicht als Selfpublisher:in herausbringen und auch keinem anderen Verlag anbieten.

Im schlimmsten Fall sitzt du also da: um mehrere tausend Euro ärmer, mit einem schlecht lektorierten Buch, das sich nicht verkauft, und mit einem Vertrag, der dich daran hindert, dein Manuskript woanders unterzubringen. Dein Buch ist für den Markt „verbrannt“, und du hast keine Möglichkeit, es anders zu veröffentlichen, bis der Vertrag ausläuft.

Moment mal – ist Selfpublishing nicht dasselbe?

Diese Frage kommt häufig, und sie ist berechtigt. Denn auch beim Selfpublishing trägst du als Autor:in die Kosten für Lektorat, Cover und Marketing. Wo liegt also der Unterschied?

Der Unterschied ist grundlegend und lässt sich in drei Wörtern zusammenfassen: Transparenz, Kontrolle und Rechte.

Transparenz: Bei einem Selfpublishing-Dienstleister weißt du genau, was du bekommst und was es kostet. Die Veröffentlichung über Plattformen wie KDP, BoD, epubli oder tolino media ist kostenlos oder kostet einen sehr geringen Betrag (oft unter 50€). Für Lektorat, Cover und Marketing beauftragst du selbst Dienstleister:innen deiner Wahl, zu Preisen, die du vorher kennst und vergleichen kannst. Ein DKZV hingegen schnürt undurchsichtige Pakete, bei denen du nicht weißt, wie viel von deinem Geld tatsächlich in welche Leistung fließt.

Kontrolle: Beim Selfpublishing entscheidest du über jede Einzelheit deines Buches: wer es lektoriert, wie das Cover aussieht, welchen Preis es hat, auf welchen Plattformen es erscheint, ob und wo du Werbung schaltest. Du wählst selbst, wo du investierst und wo du sparst. Beim DKZV gibst du die Kontrolle ab, zahlst aber trotzdem.

Rechte: Das ist der entscheidende Punkt. Beim Selfpublishing behältst du alle Rechte an deinem Werk. Du kannst es jederzeit vom Markt nehmen, überarbeiten, bei einem anderen Anbieter veröffentlichen oder einem Verlag anbieten. Bei einem DKZV trittst du die Rechte ab, oft über Jahre hinweg.

Seriöser Verlag, DKZV oder SP-Dienstleister: Der Vergleich

Seriöser Verlag: Investiert in dein Buch, zahlt dir ein Honorar oder einen Vorschuss, übernimmt Lektorat, Cover, Druck, Vertrieb und Marketing. Verdient am Buchverkauf. Verlangt kein Geld von dir.

Druckkostenzuschussverlag: Verlangt Geld von dir. Verspricht Leistungen, die oft nicht oder nur mangelhaft erbracht werden. Verdient an dir, nicht am Buchverkauf. Sichert sich deine Verwertungsrechte über lange Vertragslaufzeiten.

Selfpublishing-Dienstleister: Stellt die Infrastruktur bereit (Druck, Vertrieb, ISBN). Die Veröffentlichung ist kostenlos oder sehr günstig. Du beauftragst und bezahlst Dienstleistungen (Lektorat, Cover) selbst und behältst alle Rechte. 

Warnsignale: Woran du einen DKZV erkennst

Kein einzelnes Warnsignal beweist, dass du es mit einem DKZV zu tun hast. Aber wenn mehrere davon zutreffen, solltest du sehr genau hinschauen.

  • Der „Verlag“ wirbt aktiv um Autor:innen mit Anzeigen. 
  • Er nimmt offenbar jedes Manuskript an, unabhängig von Genre und Qualität. 
  • Er lobt dein Manuskript überschwänglich, ohne konstruktive Kritik zu äußern. 
  • Er verlangt Geld von dir, in welcher Form auch immer: als Zuschuss, Pflichtabnahme, Finanzierungsbeitrag oder Paketpreis. 
  • Er drängt auf schnelle Vertragsunterschrift. 
  • Sein Verlagsprogramm hat keine erkennbare inhaltliche Linie: Kochbücher stehen im Katalog neben Lyrik, Krimis neben Kinderbüchern. 
  • Seine Bücher haben auf Amazon keine oder nur wenige Rezensionen, oft von Accounts, die nur eine einzige Bewertung abgegeben haben. 
  • Die Preise seiner Bücher sind auffallend hoch. 
  • Auf der Website gibt es keine transparenten Informationen darüber, dass Autor:innen für die Veröffentlichung bezahlen.

Was du tun kannst, wenn du an einen DKZV geraten bist

Unterschreibe nichts sofort, egal wie verlockend das Angebot klingt.

Recherchiere den Verlag gründlich: Suche in einer Suchmaschine nach dem Verlagsnamen und den Personen dahinter. Geh dabei über die ersten Ergebnisseiten hinaus, denn die lassen sich durch geschicktes Reputationsmanagement oder auch Werbung steuern.

Frage in Autorenforen und Schreibgruppen nach Erfahrungen. 

Vergleiche den angebotenen Vertrag mit dem Mustervertrag des Verbands Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS). 

Lass dich beraten, bevor du unterschreibst, zum Beispiel beim Aktionsbündnis für faire Verlage (FAIRLAG).

Und frag dich ehrlich: Wenn du bereit bist, mehrere tausend Euro in dein Buch zu investieren, warum dann nicht im Selfpublishing? 

Für das Geld, das ein DKZV verlangt, bekommst du ein professionelles Lektorat, ein markttaugliches Cover, einen sauberen Buchsatz und hast noch Budget für Marketing. Und du behältst die Kontrolle und alle Rechte an deinem Werk.

Wo du dich informieren kannst

Es gibt mehrere Anlaufstellen, die über DKZVs aufklären und konkrete Hilfe anbieten:

Das Aktionsbündnis für faire Verlage (FAIRLAG) informiert über unseriöse Anbieter. 

Die Initiative Nein zu Druckkostenzuschussverlagen betreibt seit vielen Jahren Aufklärungsarbeit. 

Beim Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) kannst du Einsicht in branchenübliche Normverträge erhalten und so vergleichen.

Fazit: Dein Buch verdient einen ehrlichen Weg

Dein Manuskript hat Monate oder Jahre deines Lebens gekostet. Es verdient eine Veröffentlichung, die dich nicht in eine Falle lockt. Ein seriöser Verlag wird niemals Geld von dir verlangen. Und wenn du selbst investieren möchtest, dann wähle einen Weg, der dir Transparenz und Kontrolle bietet und bei dem du deine Rechte behältst: das Selfpublishing.

Es ist keine Schande, keinen Verlag zu finden. Es ist keine Schande, sein Buch selbst zu veröffentlichen. Aber es wäre schade, mehrere tausend Euro für ein Versprechen auszugeben, das nicht eingehalten wird.

Du willst noch mehr zum Thema erfahren? Wir haben den Test gemacht und ein Buch bei mehreren Anbietern eingereicht, um zu sehen, wie DKZVs arbeiten.



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