Mein naiver Start ins Selfpublishing
Anmerkung: Dies ist ein Gastartikel unseres Verbandsmitglieds Christian Jahraus
Als ich mein Buch fertiggestellt hatte, fühlte es sich an, als hätte ich eine lange Reise hinter mir. Monate voller Recherche, Schreiben und Überarbeiten lagen hinter mir. Irgendwann erreicht man den Punkt, an dem das Manuskript fertig ist – und genau dieser Moment fühlt sich wie eine Ziellinie an. So ging es mir jedenfalls.
In meinem Kopf war der Ablauf relativ klar: Zuerst schreibt man ein Buch. Dann veröffentlicht man es. Und danach beginnt man damit, darüber zu sprechen. Diese Vorstellung erscheint mir heute etwas naiv, aber damals wirkte sie vollkommen logisch. Während der gesamten Entstehungszeit drehte sich bei mir alles um das Schreiben selbst. Ich beschäftigte mich mit Themen, mit Argumenten, mit Struktur und Sprache. Das Buch stand im Mittelpunkt – alles andere spielte zunächst kaum eine Rolle. Marketing gehörte für mich deshalb lange nicht wirklich zum Projekt. Es war eher eine Aufgabe für später.
Erst relativ spät, etwa zwei Monate vor der Veröffentlichung, begann ich überhaupt darüber nachzudenken, wie das Buch nach außen sichtbar werden könnte. In dieser Phase entschied ich mich, eine Website aufzubauen und einen Instagram-Account zu erstellen. Beides hatte ich vorher nicht. Ich hatte keine Plattform, keine Community und auch keinen Ort, an dem ich über mein Buch hätte sprechen können. Die Website sollte eine zentrale Anlaufstelle sein – ein Ort, an dem Informationen über das Buch zu finden sind. Instagram war eher ein Experiment. Ich begann dort, erste Beiträge zu veröffentlichen und über das Projekt zu sprechen.
Zu diesem Zeitpunkt war das Manuskript allerdings bereits abgeschlossen. Die Veröffentlichung stand kurz bevor. Rückblickend wirkt diese Phase ein wenig wie ein Übergang. Über viele Monate hinweg hatte das Buch hauptsächlich im privaten Raum existiert – im Schreiben, im Überarbeiten und im Nachdenken über Inhalte. Mit der Website und dem Instagram-Account öffnete sich dieses Projekt zum ersten Mal nach außen. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine wirkliche Vorstellung davon, was Marketing für ein Buch eigentlich bedeutet. Der Begriff klang für mich lange Zeit nach Werbung. Nach Kampagnen, Strategien und Verkaufsbotschaften. Deshalb ging ich davon aus, dass dieser Teil erst nach der Veröffentlichung wirklich beginnt.
Heute sehe ich das etwas anders.
Wenn ich heute auf meinen Start im Selfpublishing zurückblicke, fallen mir vor allem drei Dinge auf, die ich heute früher beginnen würde.
1. Früher sichtbar werden
Ich habe erst etwa zwei Monate vor der Veröffentlichung begonnen, über mein Buch öffentlich zu sprechen. Rückblickend würde ich diesen Schritt deutlich früher machen. Nicht im Sinne klassischer Werbung, sondern eher als Einblick in den Prozess. Schon während des Schreibens entstehen Gedanken, Fragen oder Perspektiven, die man teilen kann. Leserinnen und Leser interessieren sich oft nicht nur für das fertige Buch, sondern auch für den Weg dorthin.
Ein kurzer Post über ein Thema, ein Gedanke aus dem Schreibprozess oder ein Einblick in die Recherche kann bereits ausreichen, um erste Aufmerksamkeit zu schaffen. Dadurch entsteht langsam eine Verbindung zu Menschen, die sich für ähnliche Themen interessieren. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht Reichweite, sondern Präsenz. Sichtbarkeit entsteht selten plötzlich – sie entwickelt sich über Zeit. Gerade im Selfpublishing, wo es kein Verlagsteam gibt, das Marketing übernimmt, kann diese frühe Sichtbarkeit eine wichtige Rolle spielen.
2. Einen eigenen Ort für das Projekt schaffen
Die Website war für mich zunächst nur eine praktische Ergänzung zum Buch. Erst später wurde mir klar, wie wichtig ein eigener Ort im Internet sein kann. Eine Website funktioniert wie eine zentrale Anlaufstelle für alles, was mit einem Buchprojekt zu tun hat. Dort können Hintergrundinformationen stehen, Texte, Updates oder weiterführende Inhalte. Während Social-Media-Plattformen eher kurzfristige Aufmerksamkeit erzeugen, bleibt eine Website dauerhaft bestehen.
Gerade im Selfpublishing kann das hilfreich sein, weil man damit einen Ort schafft, der unabhängig von Plattformen funktioniert. Für mich wurde die Website deshalb relativ schnell zu einem festen Bestandteil des Projekts. Sie bündelt Informationen, schafft Orientierung und gibt dem Buch eine Art digitales Zuhause.
3. Sichtbarkeit als Teil des Projekts verstehen
Der wahrscheinlich größte Denkfehler war die Annahme, dass Marketing erst nach der Veröffentlichung beginnt. Heute würde ich das anders formulieren: Sichtbarkeit ist kein einzelner Schritt nach dem Launch, sondern eher ein begleitender Prozess.
Ein Buch entsteht zwar im Schreiben, aber es findet seine Leserinnen und Leser erst außerhalb der Seiten. Deshalb gehört der Gedanke an Öffentlichkeit eigentlich schon zum Projekt dazu, auch wenn er am Anfang noch klein sein kann.
Das bedeutet nicht, dass man sofort eine große Strategie braucht. Oft reicht es schon, sich frühzeitig die Frage zu stellen: Wo kann dieses Buch sichtbar werden? Manchmal sind das Social Media, manchmal eine Website, manchmal Gespräche oder Netzwerke. Wichtig ist vor allem, dass das Buch nicht erst im Moment der Veröffentlichung beginnt, in der Öffentlichkeit zu existieren.
Genau das hatte ich zu Beginn unterschätzt. Denn während ich lange Zeit dachte, Marketing beginne erst nach dem Launch, stellte ich nach der Veröffentlichung fest, dass meine Vorstellung von Marketing selbst ziemlich vereinfacht gewesen war. Erst später begann ich zu verstehen, dass es dabei um etwas ganz anderes geht.
Was mir erst nach der Veröffentlichung klar wurde – und warum Marketing für mich plötzlich weniger nach Werbung und mehr nach Beziehung und Präsenz klang – darum geht es im nächsten Teil.

Christian Jahraus
Jasper Cole ist das Pseudonym, unter dem Christian Jahraus. schreibt. Er ist Autor des Buches Food Unplugged und beschäftigt sich in seinen Texten mit Ernährung,
Mindset und der Frage, wie wir wieder bewusster mit Konsum, Gewohnheiten und unserem Alltag umgehen können. Neben seinem Buch schreibt er über Themen rund um Selbstpublishing, gesellschaftliche Entwicklungen und persönliche Selbstbestimmung.
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