Erotische Romane erscheinen vielen Autor:innen als Geldeinnahmequelle, gar als Goldesel.

Gilt das immer? Worauf muss man achten, damit ein erotischer Roman auch Einnahmen generiert? Wo liegen Fallstricke?

Ein Gastartikel unseres Mitglieds Margaux Navara

Dann schreibe ich halt Erotik, die läuft immer.

Ich höre diesen Satz immer wieder.

Tja … Wenn es doch so einfach wäre. Einen halbnackten Mann aufs Cover, die Beschreibung deiner letzten ach so geilen Nacht, das Ganze hochgeladen auf Amazon und schon rollt der Rubel.

Nein? Warum nicht? Oder doch? Ein paar Gedanken und vielleicht auch die ein oder andere Warnung.

Sagen wir mal: Du kannst schreiben.

Du kannst ganze Welten beschreiben, erzeugst Stimmung mit nur zwei Sätzen, deine Charaktere sind spannend und die Handlung deiner Romane treibt den Lesenden den Schweiß auf die Stirn. Toll, das sind gute Voraussetzungen, um auch in der Erotik Erfolg zu haben.

Wieso auch? Weil du – sofern du wirklich so schreiben kannst – sicher großen Erfolg in deinem jetzigen Genre hast.

Du hast keinen Erfolg in einem anderen Genre?

Weil du von den vier genannten Punkten höchstens zwei oder gar nur einen bedienst? Dann habe ich eine ganz schlechte Nachricht für dich: Du wirst den goldscheißenden Erotikesel vielleicht besteigen, ihn aber nicht in die Top 100 treiben können. Und glaub mir, alles was darunter ist, bringt dir ein Trinkgeld, aber nichts, was das Wort Einnahmen lohnt.

Die Zeiten, in denen du mit der bloßen Beschreibung des Aktes Tausende scheffeln konntest, sind definitiv vorbei. Schon alleine, weil schon Tausende andere auf die gleiche Idee kamen. Du hast also jede Menge Konkurrenz.

Und all diejenigen, die nur einigermaßen erotisch schreiben, die ihre Rezensionen von Bekannten erbitten und kurzfristig mal Verkäufe generieren, die mit selbstgebastelten Covern meinen, die Lesenden würden nur auf sie warten, verdienen maximal genug für einmal essen gehen im Monat, aber nicht ernsthaft Geld.

Schaut man einmal bei Amazon in die Top 100 der bezahlten Erotik-Kindle-E-Books, sieht man eine Reihe von Sammelbänden: 1000 Seiten Erotik – 120 geile Stories, 80 x die Oma gef* und noch viel schlimmere Titel, aber bis auf wenige Ausnahmen sind diese Titel extrem schnelllebig und schon nach Tagen wieder verschwunden. Was bleibt? Zum einen die bekannten Bücher wie die Dauerbrenner der Kollegin James oder Kurzromane wie z.B. von Bärbel Muschiol, die jeden Monat ein neues Büchlein herausgibt und damit im Gedächtnis bleibt. Und dann gibt es an langfristigen Besetzern der Top 100 noch Romane, die sich lange halten wie z.B. die von Odesza. Ja, tatsächlich, sie bleiben hoch im Ranking.

Na dann, denkst du jetzt, geht es ja doch!

Ja, klar. Aber nur, wenn du gut schreibst! Die Bücher, die sich halten, treffen genau den Geschmack der Lesenden. Diese Autor:innen haben eine Fan-Base, sie haben sich in langen Jahren einen Namen gemacht. Sie könnten ihre Bücher unter dem Genre ‚Germanistik für Anfänger‘ einstellen, die Bücher würden sich genauso gut verkaufen.

Halten wir also fest: Du musst gut sein, wenn du oben mitspielen willst!

Spielt die Einordnung in das Genre überhaupt eine Rolle?

Bei Amazon lautet die Antwort: Jein.

Du kannst inzwischen erotische Bücher auch in anderen Kategorien einsortieren. Wenn sich jemand beschwert oder der Amazon-Geheim-Bot schlimme Wörter findet, wird dir der ‚Blick ins Buch‘ verwehrt, aber du wirst nicht gesperrt. Wohin nun also? Die Frage ist, ob du daran glaubst, dass die Menschen dein Buch in den Top 100 der Erotik suchen. Weißt du das? Ist es also egal, ob du es  dort einstellst oder nicht? Nein. Du musst dir nur klar über die Vor- und Nachteile sein.

Ein Buch im Genre Erotik hat keinen ‚Blick ins Buch‘. Du kannst es nicht bewerben. Du darfst aber dafür alle Schlüsselwörter verwenden, die in diesem Genre so beliebt sind: ‚Erotik ab 18 unzensiert‘ zum Beispiel.

Wenn du dich gegen das Erotik-Genre entscheidest, musst du dafür auf genau diese Worte/Wortkombinationen verzichten. Die fallen dem Bot nämlich sofort ins Auge.

Dark Romance als Beispiel, die das böse Wort gerne vermeidet, obwohl die Szenen meist hart sind und meist nicht einvernehmlich (und das hat nichts mit BDSM zu tun!), steht so gut wie nie in der Erotik-Ecke. Hier verkaufen die Cover und die Klappentexte das Buch, gleichgültig unter welchem Genre es gelistet ist. Hart, härter, am härtesten gewinnt.

Liebesromane mit einer oder vielleicht zwei erotischen Szenen gehören definitiv nicht in das Genre, da die Lesenden hier mehr gewöhnt sind und sicher enttäuscht wären.

Meine Einschätzung – die sicher in den Kommentaren zerrupft werden wird: Gerade bei Amazon suchen die Erotik-Lesenden häufig im Erotik-Genre und damit in den Top 100, weil es eines der wenigen Genres ist, bei dem die Einordnung so eindeutig ist.

Liebesroman – viel zu allgemein. New Adult? Entweder: Was ist das denn? Oder: Aber ich bin doch schon über dreißig! Unter Belletristik für Frauen tummelt sich alles zwischen Thriller und Humor. Zeitgenössische Frauenliteratur – sind das nicht alle Romane, die im Hier und Jetzt spielen?

Viel spannender wird es, wenn man zu Tolino wechselt. Hier wird sehr genau kontrolliert. Sobald es einen Hinweis auf Erotik gibt, wird das Buch auch dort einsortiert. Keine Chance!

Was uns zum nächsten Thema bringt:

Welche Dienstleister kommen infrage?

Klar, Amazon ist immer Nummer eins. Für Vielschreiber auch immer mit Kindle Unlimited, also dem KDP-Select-Programm.

Darüber hinaus? Tolino, das ja die Buchhandlungen und Online-Shops beliefert, auch Google oder ibooks, ist auf jeden Fall eine Alternative, die allerdings nicht auf Anhieb funktioniert und nicht mit 99-Cent-Büchern. Hier wird man automatisch in das Erotik-Genre einsortiert, aber das tut dem (möglichen) Erfolg keinen Abbruch.

Wie wäre es mit einer Hörbuch-Produktion? Ich kenne Autor:innen, die ihre Texte ausschließlich vertonen lassen. Wer also so schreiben kann, dass es sich gesprochen gut anhört, kann diesen Weg wählen und damit einen definitiv wachsenden Markt bedienen.

Welche Art erotischer Roman hat überhaupt Erfolg?

Im Moment vor allem Dark Romance, das muss man ganz klar sagen. Dieses Genre ist extrem beliebt, wie man leicht auf Amazon oder bei anderen Anbietern prüfen kann. Je gemeiner, je dunkler, desto besser. Entführung, Zwang zum Verkehr mit einem oder mehreren Männern, Mörder, Killer, Psychopathen, Stalker. Starke Frauen oder schwache, erfahrene oder jungfräuliche, hier geht alles.

Natürlich gelten die Regeln von oben trotzdem: Es muss gut geschrieben sein.

Kurzgeschichten mit nur 17 Seiten (ja, die gibt es, für € 2,99) werden auch gelesen, aber hier ist das Stichwort ‚gelesen‘. Nämlich über KU, damit also für Cent-Beträge (ca. 5 Cent pro Exemplar), bringen also nur etwas, wenn man ständig nachproduziert. Wie oft die Lesenden das mitmachen? Keine Ahnung. Ausprobieren …

Auch bei KU bringen längere E-Books bessere Einnahmen, deshalb sind ja die angeblich über 400-seitigen Bücher so beliebt. ‚Da krieg ich was für mein Geld‘ denkt sich die Kundschaft. Dass es keine 400 Normseiten sind, merkt er am Reader ja nicht. Doch es sieht gut aus auf dem Cover und verspricht eine Reihe von Höhepunkten im Gegensatz zu Romanen, die oft nur drei oder vier Szenen beinhalten.

 

Nun hast du also ein Buch, das du verkaufen kannst. Wie steht es mit …

Werbung für erotische Romane

Pustekuchen.

Offiziell werben kannst du dafür nicht. Nicht auf Amazon, sobald es in Erotik einsortiert ist. Nicht auf Facebook oder Instagram.

Übrigens solltest du dir vorher genau die Cover-Richtlinien anschauen: Schon ein völlig bekleidetes, züchtiges Paar in liegender Stellung ist bei Amazon ein Grund für die Ablehnung jeglicher Werbemaßnahmen.

Hier kommt also die Einordnung in ein anderes, unverfängliches Genre zum Tragen, zusammen mit einem unverfänglichen Cover (Blumen, farbige Wolken, goldverzierte Muster) und vorzugsweise auch nur Andeutungen im Klappentext. Das Wort ‘explizit’ darf wohl verwendet werden, aber einige andere nicht (‘BDSM’, ‘erotisch’).

Wie kann ich außerhalb der üblichen Kanäle werben?

Jetzt leuchten Augen auf – das wollen nämlich alle wissen.

Die beste Werbemöglichkeit ist immer noch eine Homepage und der dazugehörige Newsletter. Bau dir eine Fanbase auf, sorge dafür, dass sie deinen Newsletter abonniert, unterhalte sie und wenn dein Buch draußen ist, hoffe darauf, dass sich nicht nur andere Autor:innen in deiner Liste tummeln, die sehen wollen, wie du deine Lesenden unterhältst.

Ansonsten? Buchmessen, Social Media, Buchblogger. Das Übliche also.

Nein, ich habe keinen Geheimtipp. Wenn ich ihn hätte, würde ich ihn vermutlich auch nicht hier nennen, oder?

Na gut, einen gibt es:

Sei du selbst! Ich habe schon zu viele Kunst-Figuren in der Autorenwelt gesehen, die sich wundern, dass auf ihre Posts keine Reaktion erfolgt. Die Lesenden spüren, wenn du nicht echt bist. Das hat nichts mit einem Pseudonym zu tun, sondern nur mit deinem Auftreten. Bist du das süße Kätzchen mit dem Halsband oder ist das nur ein Avatar, in den du versuchst, hineinzuwachsen? Lass es. Sei du selbst. Unter einem fremden Namen gerne, aber nicht mit einer künstlichen Figur, die immer wieder durchblitzt, wenn dich mal etwas erregt.

 

Und noch einen Tipp habe ich für dich:

Machen gedruckte Bücher Sinn?

Ja. Immer!

Ja, du musst dafür dein Cover bearbeiten lassen, das kostet extra. Aber es gibt auch im Erotik-Genre genug Taschenbuchverkäufe. Das Buch muss nicht perfekt gesetzt sein, das merken viele Lesende nicht, aber es sollte gedruckt vorliegen. Gerade wenn es ein Sammelband von 1000 Seiten ist. Das macht es womöglich beliebter.

Du kannst das Taschenbuch auch noch nachschieben, wenn du merkst, dass dein E-Book gut läuft. Die Käufergruppen überschneiden sich nämlich kaum. Und wenn du ein gedrucktes Buch hast, kannst du auch mal eine Verlosung machen oder sogar auf einer Messe signierte Bücher verkaufen. Cool, oder? Menschen wie ich, die sich schon seit Jahren als Aussteller auf Messen trauen, haben nämlich den Weg bereitet für dieses Genre und den öffentlichen Auftritt.

Aber das ist ein anderes Thema …

 


Zur Autorin:

Margaux Navara schreibt und veröffentlicht seit 2012 ausschließlich im Selfpublishing. Anfangs reine Erotik, inzwischen auch Romance. Natürlich weiterhin mit Erotik, immer auch mit dem Thema BDSM. Ihre Webseite führt sie seit 2014, einen Newsletter gibt es auch. Schon ihr erster Roman ‚Unterweisung im Herrenhaus‘ schaffte es auf Anhieb in die Top 10 und blieb länger als 750 Tage in den Top 100 der Erotik bei Amazon. ‚Hot and Dirty‘ war dann die erste Nummer 1, später folgten noch andere nach. Sie hat inzwischen etwa 50 Bücher unterschiedlicher Längen veröffentlicht und lebt hauptberuflich als Autorin.


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