Zu spät angefangen

Was mir erst nach der Veröffentlichung klar wurde

Anmerkung: Dies ist ein Gastartikel unseres Verbandsmitglieds Christian Jahraus


Buch veröffentlicht, und jetzt?

Marketing im Selfpublishing beschäftigt sich nicht nur mit der Frage, wie man ein Buch bewirbt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie man als Autor sichtbar wird, wie man Vertrauen aufbaut und wie man überhaupt in Räume kommt, in denen Austausch stattfindet. Genau das hatte ich vorher unterschätzt. Nicht, weil ich gar nichts gemacht hätte, sondern weil ich die Tiefe dieses Themas erst verstanden habe, als ich bereits mittendrin war.

Mit der Veröffentlichung meines Buches begann für mich deshalb eine Phase, in der ich viel beobachtet und gelernt habe. Plötzlich rückten Fragen in den Vordergrund, über die ich während des Schreibens kaum nachgedacht hatte. Wie entdecken Leser überhaupt neue Bücher? Welche Wege nutzen andere Selfpublisher, um auf ihre Projekte aufmerksam zu machen? Und welche Rolle spielen dabei Netzwerke, Communities und der Austausch mit anderen Autor:innen?

Je mehr ich mich mit diesen Fragen beschäftigte, desto deutlicher wurde, dass Selfpublishing weit mehr ist als ein technischer Veröffentlichungsprozess. Es ist auch ein Umfeld aus Gesprächen, Erfahrungen und gegenseitiger Unterstützung. Viele Dinge, die mir vorher wie individuelle Herausforderungen erschienen waren, stellten sich plötzlich als Themen heraus, mit denen sich nahezu alle Selfpublisher irgendwann beschäftigen.

Lernen durch Recherche – Wie ich nach der Veröffentlichung begann, das Umfeld zu verstehen

Nachdem mein Buch veröffentlicht war, begann für mich eine Phase, mit der ich vorher kaum gerechnet hatte. Während des Schreibens hatte ich mich fast ausschließlich mit dem Inhalt beschäftigt – mit den Themen, den Argumenten und der Struktur des Buches. Die Veröffentlichung selbst fühlte sich zunächst wie ein Abschluss an. Doch relativ schnell merkte ich, dass sie eigentlich erst der Anfang war. Mit dem Buch in der Welt stellte sich eine neue Frage: Wie gehen andere Selfpublisher mit dieser Phase nach der Veröffentlichung um?

Ich begann zu recherchieren.

Ein großer Teil dieser Recherche fand online statt. Ich schaute mir viele YouTube-Videos rund um Selfpublishing an – Interviews mit Autor:innen, Erfahrungsberichte über erste Veröffentlichungen oder Videos, in denen Marketing, Sichtbarkeit und Veröffentlichungsprozesse erklärt wurden. Parallel dazu las ich Blogartikel über Buchmarketing, Reichweitenaufbau und Kommunikation mit Leser:innen. Diese Recherche war für mich wie ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die ich vorher so gut wie gar nicht kannte. Erst jetzt begann ich zu verstehen, dass rund um das Schreiben noch eine zweite Ebene existiert: das Umfeld des Selfpublishings.

Warum es den einen „richtigen“ Weg nicht gibt

Je mehr Inhalte ich sah und las, desto deutlicher wurde mir, wie unterschiedlich Autor:innen mit diesem Umfeld umgehen. Manche arbeiten sehr strategisch und planen Marketingmaßnahmen lange im Voraus. Andere konzentrieren sich stärker auf Austausch, Community oder langfristige Sichtbarkeit. Einige veröffentlichen regelmäßig neue Bücher, während andere viel Zeit in ein einzelnes Projekt investieren. Am Anfang wirkt diese Vielfalt fast unübersichtlich.

Es gibt viele Meinungen darüber, was im Buchmarketing funktioniert. Manche setzen stark auf Social Media, andere auf Newsletter oder persönliche Netzwerke. Einige sprechen viel über Plattform-Algorithmen, andere über Beziehungen zu Leserinnen und Lesern. Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass diese Unterschiede etwas Wichtiges zeigen: Es gibt keinen einheitlichen Weg im Selfpublishing.

Viele der Inhalte, die ich damals gefunden habe, waren keine festen Anleitungen, sondern Erfahrungsberichte. Autor:innen erzählten von ihren ersten Veröffentlichungen, von Fehlern, die sie gemacht haben, und von Dingen, die sie erst später verstanden haben. Gerade diese persönlichen Geschichten waren für mich besonders interessant, weil sie eine realistischere Perspektive vermittelten als einfache Erfolgsgeschichten. In vielen dieser Berichte tauchten ähnliche Themen auf: Sichtbarkeit, Geduld und Vernetzung.

Langsam begann ich zu verstehen, dass Selfpublishing nicht nur aus Schreiben und Veröffentlichen besteht. Es ist auch ein Prozess des Lernens. Mit jedem Projekt versteht man ein wenig besser, wie dieses Umfeld funktioniert. Die Recherche hat mir deshalb keine fertige Strategie geliefert. Aber sie hat mir geholfen, ein Gefühl für die Landschaft des Selfpublishings zu entwickeln. Vor allem habe ich verstanden, dass jeder Autor seinen eigenen Weg finden muss. Und vielleicht ist genau das einer der zentralen Punkte: Ein Buch zu veröffentlichen bedeutet nicht nur, ein Projekt abzuschließen. Es bedeutet auch, in einen Prozess einzutreten, in dem man ständig weiterlernt.

Die Bedeutung von Vernetzung – und meine zufällige Entdeckung des Selfpublisher-Verbands

Erst nachdem das Buch veröffentlicht war und ich begann, mich stärker mit dem Thema Selfpublishing zu beschäftigen, änderte sich dieser Blickwinkel. Durch meine Recherchen – auf Social Media, in Blogs und auf verschiedenen Plattformen – wurde mir nach und nach klar, wie groß und vielfältig diese Szene eigentlich ist. Selfpublishing ist nicht nur eine technische Möglichkeit, Bücher ohne klassischen Verlag zu veröffentlichen. Dahinter existiert eine sehr lebendige Gemeinschaft von Autor:innen, die sich gegenseitig unterstützen, Erfahrungen teilen und voneinander lernen.

In diesem Zusammenhang stieß ich eher zufällig auf den Selfpublisher-Verband. Ich kann mich heute gar nicht mehr genau erinnern, wo ich den ersten Hinweis darauf gesehen habe – vermutlich auf Social Media oder in einem Beitrag zum Thema Selfpublishing. Der Name tauchte plötzlich auf, und aus Neugier begann ich, mich damit zu beschäftigen.

Die Idee eines Verbands speziell für Selfpublisher fand ich sofort interessant. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Selfpublishing hauptsächlich als individuellen Weg betrachtet. Jeder schreibt sein Buch, veröffentlicht es eigenständig und organisiert Dinge wie Marketing, Reichweitenaufbau oder Leserkommunikation selbst. Die Entdeckung eines Verbands zeigte mir jedoch, dass es in diesem Bereich auch eine strukturierte Gemeinschaft gibt – eine Plattform, auf der sich Autorinnen und Autoren austauschen und gegenseitig unterstützen können.

Selfpublishing ist Teamwork

Diese Erkenntnis veränderte meine Perspektive. Selfpublishing ist zwar weiterhin ein sehr eigenständiger Weg, aber er muss nicht zwangsläufig isoliert sein. Es gibt viele Orte, an denen Austausch stattfindet – und genau dort entstehen oft die interessantesten Einblicke. Parallel dazu begann ich, mich auch in verschiedenen Online-Communities umzuschauen. Ich trat Discord-Servern bei, die sich mit Schreiben oder Selfpublishing beschäftigen, und begann, in Foren mitzulesen. Dort entsteht häufig ein ganz anderer Blick auf das Thema als in klassischen Ratgeberartikeln oder Tutorials.

In solchen Communities sprechen Autor:innen sehr offen über ihre Erfahrungen. Es geht nicht nur um Strategien oder Erfolgsgeschichten, sondern auch um Zweifel, Experimente und Fehler. Man liest von Projekten, die gut funktionieren, aber auch von Dingen, die nicht wie geplant laufen. Genau diese Ehrlichkeit macht den Austausch so wertvoll. Gleichzeitig merkt man in solchen Gesprächen schnell, dass viele Fragen und Unsicherheiten ganz normal sind. Dinge, die einem selbst zunächst wie individuelle Probleme erscheinen, tauchen bei anderen Autor:innen ebenfalls auf. Fragen zur Veröffentlichung, zum Marketing oder zur Sichtbarkeit beschäftigen fast alle, die diesen Weg gehen.

Gerade im Selfpublishing, wo viele Entscheidungen allein getroffen werden müssen, kann dieser Austausch unglaublich hilfreich sein. Er schafft eine Art informelles Lernumfeld. Man profitiert von den Erfahrungen anderer, entdeckt neue Perspektiven und versteht besser, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Für mich wurde Vernetzung deshalb zu einem wichtigen Bestandteil meines Weges als Selfpublisher. Nicht nur, weil man dort Informationen findet, sondern weil man merkt, dass man mit seinen Fragen und Überlegungen nicht allein ist. Dieser Austausch verändert auch die eigene Wahrnehmung des Schreibens. Das Buch bleibt natürlich ein individuelles Projekt – aber der Weg dorthin kann durch Gespräche, Ideen und Erfahrungen anderer Menschen bereichert werden.

Rückblickend gehört diese Entdeckung der Community zu den Dingen, die ich am Anfang unterschätzt habe. Während ich mich zunächst vor allem auf das Schreiben konzentrierte, wurde mir später klar, dass Selfpublishing nicht nur aus Texten und Veröffentlichungsprozessen besteht. Es ist auch ein Netzwerk von Menschen, die sich mit denselben Themen beschäftigen und ihre Erfahrungen teilen. Und genau diese Perspektive kann den eigenen Blick auf das Schreiben und Veröffentlichen nachhaltig verändern.

Es gibt keinen Masterplan

Mit der Zeit bemerkte ich außerdem, dass viele Fragen rund ums Selfpublishing keine so eindeutigen Antworten haben, wie es am Anfang den Anschein hat. Je tiefer man sich mit dem Thema beschäftigt, desto häufiger stößt man auf völlig unterschiedliche Ansätze. Was für die einen funktioniert, spielt für andere kaum eine Rolle. Manche setzen stark auf Social Media, andere auf Newsletter, persönliche Kontakte oder langfristigen Community-Aufbau.

Gerade dadurch entsteht schnell das Gefühl, andere hätten längst verstanden, wie alles funktioniert. Von außen wirken viele Profile, Veröffentlichungen oder Marketingstrategien sehr klar und professionell. Doch hinter vielen dieser Außenwirkungen steckt wahrscheinlich ebenfalls viel Unsicherheit, Ausprobieren und ständiges Anpassen.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Marketing verändert. Ich begann zu verstehen, dass es im Selfpublishing oft weniger um den perfekten Plan geht, sondern vielmehr um die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren und mit der Zeit den eigenen Weg zu finden. Manche Ideen funktionieren, andere nicht. Vieles entwickelt sich erst während des Prozesses.


Christian Jahraus

Christian Jahraus

Jasper Cole ist das Pseudonym, unter dem Christian Jahraus. schreibt. Er ist Autor des Buches Food Unplugged und beschäftigt sich in seinen Texten mit Ernährung,

 Mindset und der Frage, wie wir wieder bewusster mit Konsum, Gewohnheiten und unserem Alltag umgehen können. Neben seinem Buch schreibt er über Themen rund um Selbstpublishing, gesellschaftliche Entwicklungen und persönliche Selbstbestimmung.

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