Wie verändert sich der Autorenalltag, nachdem man einen Buchpreis gewonnen hat? – Interview mit Preisträgerin Monika Augustin #dspp2019

 

Zwar findet der #dspp dieses Jahr coronabedingt nicht statt, aber dafür hat der Selfpublisher-Verband den neuen Selfpublishing-Buchpreis #spbuchpreis ins Leben gerufen.

Dieser wird hervorragend angenommen, allein  in der ersten Woche konnte er bereits über 600 eingesendete Bücher verzeichnen. Während der neue Preis also in vollem Gange ist, haben wir uns Gedanken gemacht, was die Zukunft für die Gewinnerinnen und Gewinner  bereit halten könnte. Schließlich winkt den Gewinnertiteln in hohes Preisgeld und ein tolles Marketingpaket.

Doch was macht der Titel „Das beste von unabhängigen Autorinnen und Autoren veröffentlichte Buch“ mit einem? Verändert sich sonst etwas im Leben des Gewinnenden? Wir haben mit Monika Augustin gesprochen, eine der Preisträgerinnen des Deutschen Selfpublishingpreises 2019, wie sie die Teilnahme im vergangenen Jahr empfunden und wie sich ihr Autorenalltag danach verändert hat.

Wie hast du von dem Wettbewerb erfahren?

Preisträgerin Monika AugustinDer Preis wurde im Newsletter von epubli beworben, den ich abonniert hatte, da ich „Das Mucksmäuschen“ dort veröffentlicht habe. Die Teilnahme war sehr einfach: Buch als PDF hochladen und fertig. Da dachte ich: „Wieso nicht?“

 

Hattest du dir Chancen ausgerechnet zu gewinnen?

Ich habe mir genau Null Chancen ausgerechnet. „Das Mucksmäuschen“ ist das erste Buch, das ich geschrieben habe. Ursprünglich sollte es ein Geschenk für meine Tochter sein, das ich ein einziges Mal als Fotobuch entwickeln lassen wollte. Dass ich es überhaupt veröffentlicht habe, war mehr als Jux gedacht und ist dem Suchmaschinenmarketing von epubli zu verdanken, auf deren Webseite ich kam, nachdem ich „Buch drucken“ gegoogelt hatte. Am DSPP habe ich also nur „just for fun“ teilgenommen, wie man so schön sagt.

 

Was glaubst du, hat die Jury von deinem Mucksmäuschen überzeugt?

Ich denke, zuerst einmal hat die Moral der Geschichte überzeugt. Geht es uns nicht allen so, auch als Erwachsene: Wir stehen nicht für das ein, was wir wollen oder brauchen, aus Angst, andere zu belasten oder uns in den Vordergrund zu drängen. Und dann schweigen wir manchmal, wenn es um das Wohl anderer geht – weil wir denken, dass wir allein sind und zu schwach, um etwas zu bewirken. Und auch andersrum wird ein Schuh draus: Manchmal sollten die Großen und Lauten auch mal die Kleinen zu Wort kommen lassen. Das lohnt sich meistens.

Das zweite große Plus waren sicherlich die großartigen Zeichnungen. Meine Illustratorin Vin habe ich über das Internet gefunden – sie lebt in Indonesien. Ihr Zeichenstil hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Zeichnungen sorgen regelmäßig für Begeisterung.

 

Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass dein Titel auf der Longlist gelandet ist?

Die Nachricht hat mich als E-Mail auf dem Handy erreicht, im Büro auf dem Weg zur Kantine. Zuerst dachte ich, ich hab mich verlesen. Dann dachte ich, dass das ein Fehler sein muss. Und den Rest des Nachmittags bin ich förmlich durch das Büro geschwebt. Aber ich war die ganze Zeit sicher, dass es an dem Punkt zu Ende ist. Dass ich nicht weiterkomme – ich hab die Longlist schon als unfassbaren Erfolg empfunden. Denn plötzlich war ich unter den ersten zwölf in meiner Kategorie!

 

Und wie hat sich der Moment für dich angefühlt, als du erfahren hast, dass du den Buchpreis in der Kategorie Belletristik & Kinder- und Jugendbuch gewonnen hast?

Ich bin ohne besondere Erwartungen mit meiner Familie zur Messe gefahren, weil es keine allzu lange Fahrt von unserem Heimatort aus ist und wir uns einfach nur einen schönen Tag machen wollten. Wir hatten geplant, gemeinsam die Messe zu erkunden, und ich wollte mit ein paar Verlagen sprechen. Dann noch die Verleihung anschauen und dem Sieger applaudieren. Bei der Verleihung saß ich im Publikum und war überzeugt, das „Alibi-Kinderbuch“ zu sein, dass man „durchgeschleift“ hatte, damit man der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“ gerecht wird. Ich habe gerade überlegt, wohin wir nach dem Ende der Veranstaltung als nächstes gehen wollen – und dann erschienen mein Name und mein Cover auf der Leinwand. Wolfgang Tischer hielt diese unglaubliche Laudatio auf mein Mucksmäuschen, und ich fragte mich andauernd, ob das gerade wirklich passierte. Ich war einfach nur überwältigt. Mit Tränchen.

Preisverleihung Deutscher Selfpublishingpreis

© Katrin Friedl

Welcher Moment war für dich der schönste während der Teilnahme am Deutschen Selfpublishingpreis?

Da gab es viele! Jeder einzelne Meilenstein dieser Reise war toll. Da war die Nachricht, dass ich es auf die Longlist geschafft habe. Dann die Nachricht, dass es für die Shortlist gereicht hat. Der Moment, als mein Name genannt wurde. Die Fotos mit den anderen Nominierten. Meine erste kleine Lesung direkt nach der Verleihung. Und die unendlichen WhatsApp-Nachrichten auf der Heimfahrt am selben Abend. Ehrlich, ich kann keinen speziellen Moment aussuchen. Es war eine ganze Reihe unvergesslicher Erlebnisse.

 

Haben sich die Verkaufszahlen nach dem Gewinn verändert?

Oh ja, und wie. Beste Marketingaktion überhaupt. Die Verkäufe haben sich vervielfacht. Das war eine direkte Auswirkung des Preises und der zugehörigen Marketingkampagne. Das sieht man schön an diesem kleinen Diagramm:

Wie verändert der Gewinn eines Buchpreises die Verkaufszahlen

Leider ist es mir nicht gelungen, das Niveau lange zu halten. Jetzt, im zweiten Quartal 2020, sind wir wieder auf Ausgangsniveau. Das ist die große Herausforderung beim Selfpublishing – man macht alles selbst. Auch das Marketing. Da muss man viel investieren und ausprobieren. Es ist bei weitem nicht so, dass ich untätig war – aber meine Aktionen haben einfach nichts bewirkt. Und dabei arbeite ich hauptberuflich im Marketing. Zwar eher im Bereich IT, aber ich kenne mich trotzdem ein bisschen aus.

 

Wie hast du die Unterstützung durch das Marketingpaket, das das Preisgeld begleitet hat, empfunden?

 Das war großartig. Es hat so viel Spaß gemacht, die Influencer-Kampagne zusammen mit der Agentur Mainwunder zu erarbeiten. Wir haben eine richtig süße kleine Box geschnürt, mit dem Mucksmäuschen als Buch und Malbuch sowie einem Keksrezept und Mausausstecher. Es war unfassbar aufregend, die ganzen Rezensionen bei den Buch-Blogger:innen und Instagrammer:innen zu lesen. Jedes Mal hatte ich irgendwie Angst, dass sie es nicht mögen. Aber sie mochten es. Sehr sogar.

 

Konntest du durch das Preisgeld neue Projekte finanzieren, die du sonst in der Form nicht hättest umsetzen können?

 Mit dem Preisgeld habe ich als erstes in das Marketing für das Mucksmäuschen investiert – für die zum Preis gehörige Kampagne musste zum Beispiel das Malbuch entworfen werden. Außerdem habe ich es mit einer postalischen Aktion für den Buchhandel versucht. Aber noch ist nicht alles aufgebraucht. Das spare ich mir für mein nächstes Projekt auf. Ich habe mir vorgenommen, das Marketing dafür konsequenter anzugehen.

 

Welche Tipps hast du für die Gewinner:innen  des diesjährigen Selfpublishing-Buchpreises?

Sofort, und ich meine wirklich sofort, mit dem Marketing loslegen. Schritt Nummer eins: Noch am selben Tag sämtliche lokalen Zeitungen, Amtsblätter etc. recherchieren und ihnen eine Pressemitteilung schicken. Das muss schnell geschehen, denn Zeitungen gehen nach dem Neuigkeitswert einer Meldung und der nimmt bei so einem Preis täglich ab. Bei den lokalen Blättern hat man den Zusatzvorteil des regionalen Bezugs – jemand aus dem eigenen Ort hat gewonnen. So etwas interessiert Leser:innen eines Lokalblatts immer. Aber  man sollte auch überregional denken – wenn das eigene Buch zum Beispiel eine Nische bedient, könnte man Zeitungen und Zeitschriften aus diesem Themenbereich anschreiben.

Ein weiterer Punkt wäre, Buchhandlungen in der Umgebung abzuklappern. Der Preis hilft einem über die erste Skepsis hinweg, die viele Buchhändler:innen dem Selfpublishing entgegenbringen – und gibt einem Selbstvertrauen, hineinzugehen und zu sagen „Ich habe ein Buch geschrieben, das sollten Sie sich anschauen.“ Ich habe tolle Buchhändler:innen kennengelernt, die super aufgeschlossen sind und das Mucksmäuschen gerne ins Regal genommen haben.

Der dritte Punkt lautet Networking. Ob auf Instagram oder im realen Leben auf Events – dahin gehen, wo die Buch-Community ist. Leute kennenlernen. Das eigene Wissen erweitern. Was ich seit dem Preis gelernt habe, passt in kein Buch.

Und zuletzt: Genießen! Alles mitnehmen, alles ausprobieren, sich alles trauen. Alles, was durch den Preis kam, waren einmalige Erfahrungen und Erlebnisse. Die bleiben für immer.


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