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Beschreibung:

Ein Roman übers Erwachsenwerden, über Liebe und Trauer, Identität, Verantwortung, Pflichtbewusstsein und harte Arbeit. Und über die Erkenntnis, das man nicht immer selbst entschiedet, wohin die Reise geht.

„Meine Mutter stirbt gerade an Krebs, sie liegt in Oldenburg im Klinikum“, sagte die Schöne leise und Beene senkte beschämt seinen Blick. Mit einer solchen Offenbarung hatte er nicht gerechnet. Das war hart, so viel härter als seine eigenen Sorgen, dass er das Einzige tat, das ihm angesichts der Pietätlosigkeit, mit der er das Mädchen zu diesem Geständnis getrieben hatte, übrigblieb: Er hielt seine Klappe. Nicht einmal eine Floskel brachte er über die Lippen. Ein Gespräch mehr, dass er nicht hatte führen können, es kam kaum noch darauf an. Es waren nur noch vierzig Minuten bis Leer, die würde er auch schweigend überstehen. Doch die nun eintretende Stille schien wie ein Vakuum, das gefüllt werden wollte und die Wörter förmlich aus dem Mädchen heraussog. Sie wollte gar nicht mehr schweigen, sondern den Kummer aus ihrer übervollen Seele fließen lassen, und dieser naive Typ schien genau der richtige, um sich das anzuhören, schon als Strafe dafür, dass er meinte, sie dumm anquatschen zu müssen.

„Sie stirbt und lässt mich einfach allein“, begann sie und schüttete dem zunächst verdutzten und dann immer betroffeneren Beene ihr Herz aus, bis der Zug schon Augustfehn passiert hatte und nur noch zehn Minuten Fahrtzeit blieben. Sie erzählte ihm von ihrer Angst, bald ganz allein im Leben zu stehen, aber auch von einer unerklärlichen Wut, die sie in sich trug und die es ihr fast unmöglich machte, einen Besuch bei der Mutter zu ertragen, die doch eigentlich liebevolles Mitgefühl von ihr erwarten konnte, wo sie stattdessen nur Lust verspürte, die Einrichtung des Krankenzimmers zu zerschlagen.

Beene hörte schweigend zu und unterbrach sie kein einziges Mal, und nachdem sie geendet hatte, blieb er sprachlos, erstaunt über ihre Offenheit. Sie betrachtete Beene einen Augenblick neugierig, sein trotz des Sommers schmales, blasses Gesicht unter dem dunklen, verwuschelten Haar, seine schmalen Schultern, die langen Arme und Beine. Dann fragte sie ihn mit echtem Interesse in der Stimme, wie er heiße und ob er aus Leer komme.

„Ich heiße Beene Boekhoff und komme aus der Nähe von Bunde“, antwortete er, und als müsse er noch eine Statusmeldung hinzufügen, ergänzte er: „Ich bin Bauer.“ Die Lüge war ihm locker über die Lippen gegangen, Beene nahm es als ein gutes Zeichen. Es war das Thema, das er gleich mit Hauke besprechen wollte. Ob er den Hof von seinem Onkel Rikus übernehmen sollte, jetzt, da er das Studium nicht mehr fortsetzen wollte. Das wäre eine identitätsstiftende Aktion, dann wäre er endlich irgendetwas, auf das er sich berufen konnte, und diese neue Identität probierte er jetzt einfach schon mal aus. Sein Gegenüber lachte.

„So viele B, Wahnsinn! Du siehst gar nicht aus wie ein Bauer.“

„Nein? Wie denn?“

„Eher wie ein Student.“


Klappentext: Endlose Wiesen, schnatternde Gänse und das stete Rauschen des Windes im Schilf – das ist der Josefspolder, in dessen Einöde Beene naiv und hoffnungsvoll den Milchviehbetrieb seines Onkels übernimmt. Als unverhofft die schöne Anja bei ihm auftaucht, wähnt er sich am Ziel seiner Träume. Doch ihre Beziehung ist kompliziert, und auch ein Hofhelfer, der nur rote Karten versteht, ein selbstverliebter Notar und eine Vogelschützerin, die es eigentlich nur gut meint, bringen das gemeinsame Glück in Gefahr. Denn das Gegenteil von gut ist gut gemeint!

Zusätzliche Daten

Veröffentlichungsdatum: 29.11.2021
Umfang: 492 Seiten
ASIN: ASIN ‏ : ‎ B09X66X82J
ISBN: ISBN: 978-3-754927-03-8
Teil einer Serie: nein
Im Selfpublishing veröffentlicht?: ja
Jugendbuch: nein
Geeignet ab: 18
Geeignet bis: 69

Inhaltstypen

Action:
Spannung:
Traurigkeit:
Romantik:
Erotik:
Realität:
Humor:
Lokalkolorit:

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