Untertitel: Kriminalroman – Serienmord in der Schlösserstadt Potsdam
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Beschreibung:

Kapitel 1

VOR EINEM MONAT

POTSDAM, DEUTSCHLAND

Für diejenigen, die den Vollmond als energiereich betrachteten, um ihre Rituale zu zelebrieren, war es am sechsten November so weit. Der Mond warf eine leuchtende Spur über den verlassenen Kinderspielplatz im Wohngebiet Am Schlaatz, auf dem eine Schaukel aus Robinienholz träge über den feinen Sand knarrte. Ein Mann und zwei junge Frauen lehnten rauchend an einer Tischtennisplatte aus Betonsteinen. Den Spielplatz rahmte eine u-förmige fünfstöckige Wohnanlage, deren mittlerer Block sich über zweihundert Meter an der Straße Am Binsenhof erstreckte. Eine von Kiefern gesäumte Straße führte um die Wohnanlage.

In seinem Kellerabteil im mittleren Block der Wohnanlage verarbeitete Oliver Klinkhammer Drogen mit einer Rasierklinge zu feinstem Staub. Anschließend zog er das schneeweiße Pulver mithilfe eines gerollten Geldscheins durch seine Nasenlöcher. Fast unmittelbar danach spitzte er die Ohren und nahm das Geräusch einer sich schließenden Kellertür wahr. Das Klacken von Absätzen näherte sich in einem reizvollen Takt, der ihm ein Lächeln ins Gesicht zauberte. War das schon das Callgirl, das er bestellt hatte? Er putzte sich die Nase und richtete die Seilzugstation seines Fitnessgeräts auf, als würde er trainieren.

Das Klacken der Absätze endete abrupt. Vor seinem Kellerabteil stand eine Fremde, deren rote High Heels sein Herz höher schlagen ließen. Mit ihrer grob gestrickten Mütze und einer zweifellos teuren Burberry-Brille strahlte sie etwas aufregend Geheimnisvolles aus, das seine Hände feucht werden ließ. Sein Blick glitt von ihren weißen Handschuhen über die dunkelbraune Krokodilledertasche, die sie über ihrer rechten Schulter trug.

Welches Spielzeug hat sie auf Lager, fragte er sich wollüstig.

Die Fremde beäugte den Platinblonden mit Abscheu. Er war unrasiert, sein struppiges Haar stand wirr in alle Richtungen und sein Dreitagebart glich einem Fauxpas.

„Schon mal von Ziad Abdelnour gehört?“ Ein Hauch von Spott schwang in ihrer Stimme mit.

„Wer zum Teufel ist das?“ Der berauschte Oliver zog seine ausgeleierte Jogginghose hoch.

„Ich zitiere“, sagte sie kokett, zog die Maschendrahttür auf und trat einen Schritt in sein Kellerabteil. „Die Zeit entscheidet, wen du in deinem Leben triffst, dein Herz entscheidet, wen du in deinem Leben brauchst, und dein Verhalten entscheidet, wer in deinem Leben bleibt.“

Oliver klatschte in seine schmalen Hände. „Bravo! Da hat er sich wohl ins Zeug gelegt.“ Er schob seine Brille den Nasenrücken hinauf. „Zur Sache kommen, Lady. Was …“

Die Fremde schnitt ihm das Wort ab, indem sie ihren behandschuhten Zeigefinger an seine Lippen hielt. „Das waren die Worte von Ziad Abdelnour“, sagte sie.

Oliver leckte ihren Handschuhfinger und grinste vergnügt. In seinem Drogenrausch hielt er die Fremde nun sicher für sein Callgirl. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass er eine solche Verabredung in seinen Keller führte, um Drogen zu konsumieren.

„Ist das so was wie ein Lehrer-Schüler-Rollenspiel?“, fragte er leicht süffisant. Es kam ihm in den Sinn, ihr die Sonnenbrille abzunehmen. Er entschied sich jedoch, geduldig zu sein und ihr die Initiative zu überlassen.

„Ich ergänze noch einen Satz, den Ziad Abdelnour wohl ausgelassen hat: Deine Dummheit entscheidet, wer in dein Leben eindringt.

Oliver kicherte wie ein aufgeregtes Kind am Weihnachtsabend. „Grrrr…“, knurrte er und zeigte dabei eine katzenartige Kratzgeste mit den Fingern. Ohne einen Hehl aus seiner Geilheit zu machen, liebkoste er die Fremde mit seinen Augen am ganzen Körper.

„Unglaublich!“ Die Fremde schüttelte sich. „Dein verwahrlostes Äußeres passt haarscharf zu deinen unkultivierten Umgangsformen.“ Sie stellte ihre Handtasche auf die Bank. „Du widerst mich so dermaßen an, dass ich nicht weiß, wie ich anfangen soll.“

Mit einer fast perversen Vorfreude grinste Oliver die Fremde an. Dirty Talks mochte er besonders, und die Lady schien diesbezüglich mit besonderen Fähigkeiten gesegnet zu sein. Sollte sie nicht besser damit warten, bis sie wieder in der Wohnung waren?

Scheiß drauf! Die Trainingsbank würde gut als Behelfsbett dienen. Er beschloss, sich auf die versaute Verbalerotik einzulassen.

„Du ekelst mich noch mehr an, du geiles …“

Er kreischte auf und presste seine Hand auf die Magengegend. Natürlich hatte er nichts gegen Schläge oder Dominanz, Hauptsache keine Knochenbrüche. Aber dieser Haken war verdammt knapp gewesen, als wäre er direkt von Vladimir Klitschko gekommen.

„Easy, Mann! Mit wem trainierst du überhaupt? Dwayne the Rock Johnson?“

Er lachte über seinen eigenen Witz, allerdings nur kurz. Die Fremde hatte ihm eine schallende Ohrfeige verpasst. Oliver hatte noch nie mit Sadomaso experimentiert, war nicht mit dem Repertoire aus Lust und Schmerz vertraut, und fragte sich, was der Schlag bedeuten könnte. Kurzerhand richtete er sich auf und wollte ihren Namen erfahren und ihre Spielregeln, an die er sich würde anpassen müssen.

Stattdessen antwortete die Fremde mit einem üblen Schlag gegen seine rechte Schläfe. Blitzlichter zuckten durch sein Blickfeld. War er high und nahm alles intensiver wahr? Die Faust der Frau fühlte sich an, als wäre sie in Zement gegossen worden. Damit war die Grenze seiner Belastbarkeit überschritten.

„Verstehst du das Wort easy nicht?“, brüllte er. Zwar war er schon an Rauheit gewöhnt, aber es deutete nun alles auf eine feindliche Handlung hin.

Ohne mit der Wimper zu zucken, versetzte ihm die Fremde einen Faustschlag, der seine beiden Schneidezähne lockerte.

Was zum Teufel ist in diese Hure gefahren? Die Beklemmung nahm überhand. Der Ernst der Lage wurde ihm bewusst, aber er war nicht der Typ, der sich handgreiflich mit jemandem anlegte. Aber es gab immer ein erstes Mal.

Womöglich hätte er unmittelbar gehandelt, doch nun hatte ihn ein Tritt gegen den Kopf, der seine Kellertür mühelos hätte aus den Angeln heben können, heftig nach hinten geschleudert. Obendrein hatte der Absatz des Stöckelschuhs seine Nasenlöcher getroffen und aufgerissen.

Oliver wurde schwarz vor Augen. Um sich vor dem drohenden, unvermeidlichen Sturz abzustützen, griff er nach der Hantelstange und klammerte sich daran fest wie ein Ertrinkender, der sich an einen Strohhalm klammert. Verächtlich trat die Fremde auf die andere Seite der Stange und nahm die Hantel heraus, woraufhin sie zu Oliver schwang und ihn das Gleichgewicht verlieren ließ. Er sackte auf dem Rücken zu Boden, die zwanzig Kilo schwere Hantel stürzte auf seine Rippen.

Er spuckte Blut. „Welcher Teufel hat dich denn geritten?“, keuchte er.

Mit einer Ziegelmauer zu sprechen, hätte mehr Sinn ergebenen. Die Frau brachte die Sache schnell über die Bühne, sie ließ sich grundsätzlich nie auf Smalltalk mit ihren Opfern ein. Ohne Gnade schmetterte sie eine weitere zwanzig Kilo schwere Hantel auf Olivers rechten Oberschenkel. Von seinem Wäscheständer griff sie sich ein T-Shirt und knebelte damit seinen schreienden, blutenden Mund. Ihrer Umhängetasche entnahm sie ein Cuttermesser und schnitt Olivers Jogginghose auf, wobei sie ein langes Stück Haut von seinen Oberschenkeln mitnahm und sein bestes Stück nur um Millimeter verfehlte.

Oliver lag hilflos da und konnte seine Synapsen nicht aktivieren, um die Fremde einzuordnen. Die Entwürdigung gipfelte darin, dass er ihr nun so gut wie völlig ausgeliefert war. Die lustbetonte Hochnäsigkeit, die er anfangs noch an den Tag gelegt hatte, verwandelte sich in nackte Angst.

Die Fremde riss ihm das T-Shirt vom Leib, drehte ihn um und rammte ihm die Absatzspitze ihres Stöckelschuhs in die Wirbelsäule.

Und das war erst der Anfang.


Klappentext: „Wer in Deutschland einen Menschen töten will, braucht sich nicht allzu viele Gedanken zu machen …“

Ein Mord erschüttert die schöne Schlösserstadt Potsdam. Im Park Sanssouci wird die Leiche eines Teenagers gefunden. Das Opfer wurde brutal zusammengeschlagen und sterbend zurückgelassen – mit dem Wundmal eines Stöckelschuhs auf dem Rücken. Die markante Handschrift des Täters ähnelt denen dreier weiterer ungelöster Kriminalfälle.
Für die Ermittler beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Es gilt, den Mörder zu stoppen, bevor er erneut zuschlagen kann. Der erfolgreichste und exzentrischste Profiler Deutschlands bringt die Kriminalisten schließlich auf eine neue Fährte. Doch dann stimmen die forensischen Ergebnisse nicht mehr mit dem Täterprofil überein. Und die Spuren führen nach Asien und Afrika.


Zusätzliche Daten

Genre: Krimi, Thriller
Veröffentlichungsdatum: 12.10.2022
Umfang: 427 Seiten
ASIN: B0BHKLZ9SL
ISBN: 979-8357475787
Teil einer Serie: nein
Im Selfpublishing veröffentlicht?: ja
Jugendbuch: nein

Inhaltstypen

Action:
Spannung:
Traurigkeit:
Romantik:
Erotik:
Brutalität:
Blut:
Realität:
Humor:
Lokalkolorit:

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